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Das AJUCA-Camp: „Politics, People, Party“

AJUCA (Mecklenburg Vorpommern)
Einleitung

Das Alternative Jugendcamp (AJUCA) 2025 in Lärz (Mecklenburg-Vorpommern)

AJUCA

Im Juni 2025 liefen die Vorbereitungen des diesjährigen AJUCAs auf Hochtouren. Wie seit über 20 Jahren sollte das „Alternative Jugendcamp“ (AJUCA) auch 2025 fünf Tage lang der linke Szene-Hotspot werden. Doch viele Entscheidungen mussten wie immer auf „nach der Fusion“ verschoben werden, denn dort, wo sich in der letzten Juniwoche zehntausende Besuchende gegenseitig, aber oft auch selbst nicht finden, sollten im August in altbewährter „Do-it-yourself“-Manier die Zelte aufgeschlagen werden.

Endlich war es soweit: vom 20.-24. August 2025 belebte das AJUCA das Kulturkosmosgelände in Lärz. Das Luftschloss wurde zum Kino, der Cloud Cuckoo zum Dancefloor. Unter dem Motto „Politics, People, Party“ wurden ab Mittwoch die Mikros weitergereicht und politische Theorie verbreitet. 

Das AJUCA schreibt sich dabei immer wieder auf die Fahne, möglichst hot & trendy für Jugendliche zu bleiben. Also wurden dieses Jahr die Workshops auch an die Wünsche der letzten Jahre angepasst. Neben den klassischen Antifa-How-To‘s gab es jetzt mehr Queerness und einen Workshop zu Ableismus. Außerdem wurde eine Arbeitsgruppe aktiv, die sich mit Möglichkeiten des Barriereabbaus auf dem Camp beschäftigt. 

Antifa ist Landarbeit - so steht es passend auf dem diesjährigen Camp-Merch geschrieben: Die circa dreißig Organisator* innen haben sich in Mecklenburg-Vorpommern vernetzt und die Saat im hohen Norden gestreut. Und sie ging auf: Die Jugend hat Bock auf Land. Dieses Jahr wurde das Camp erfolgreich überrannt und Rekord-Besucher*innenzahlen aufgestellt. Als die 500-Besucher­*innen-Marke geknackt war, musste die ambitionierte Orga-Gruppe sich eingestehen: Mehr kriegt das kleine Team nicht gewuppt. Schweren Herzens musste also nach außen kommuniziert werden: Einlassstopp! Was zuerst erschütternd war, ist eine Lehre für die gesamte antifaschistische Bewegung - vor allem im Osten: Während die rechten Kräfte wachsen, läuft uns auch die linke Zukunft die Türen ein. Antifaschismus blüht in den neuen Generationen, es gibt die queeren und antirassistischen Bewegungen - auch auf dem Land, und sie sind nicht allein.

Morgens, 9:00 Uhr auf dem Camp: die meisten stapfen zum Frühstück, die Schlange ist lang, die Küfa püriert und brät soviel sie kann. But nothing tastes as good as being around leftists feels. Um 10:00 Uhr beginnen die ersten Vorträge und Workshops und der Blick in den Campguide bringt die wahrscheinlich schwerste Entscheidung des Tages mit sich: die Bildungs-­AG hat mal wieder ein vorzügliches Programm gezaubert und eigentlich möchte man überall dabei sein. Hat man sich dann etwas rausgepickt, heißt es loslaufen. Ob im Luftschloss, Infohangar oder Bildungszelt - überall auf dem Gelände ist was los. Nach dem Mittagessen dann der nächste Bildungs-Slot. Es erweist sich als praktisch, dass der See gleich in der Nähe ist und frische Abkühlung nach viel Input bietet. Aber bloß nicht zu lang planschen, denn die Veranstaltungs-AG dreht für und mit local DJs und powerful Acts den Bass auf. Darunter Kitty & the Cat mit Bibi und Tina Remix - wer dazu nicht die Hüften schwingt, ist sicher auch mit nichts anderem zu überzeugen. Damit die Tanzfläche beben kann, sind die Sanis, Secus und die Awareness-Crew in Dauerbereitschaft. Ein antifaschistisches Camp soll schließlich für alle ein sicherer Ort sein. 

Und wie jedes Jahr gibt es auch interaktive Show-Nights: Wo sonst, wenn nicht auf dem AJUCA, siehst du deine Genoss* innen Möwenschreie imitieren, Highschool-Musical-­Songs lipsyncen oder - wie beim Zeckenduell - sich um den bekanntesten Nazi in MV streiten? Das Abendprogramm in allen Ehren, aber Politics steht nicht umsonst im Motto an erster Stelle: also zeitig frühmorgens oder spätabends ins Zelt gehuscht und durchatmen für den nächsten Camptag.

Das AJUCA lebt auf allen Ebenen von der AG-Struktur: Von der Shuttle-AG, die alle vom Bahnhof Mirow nach Lärz und zurück bringt, über die Logistik-AG, die mal eben im nächsten Baumarkt noch einen Pavillon für die Secus ranschafft, bis hin zur Finanz-AG, die dafür sorgt, dass das ganze überhaupt stattfinden kann. Denn auch wenn sich viele solidarische Menschen Mühe geben und im Rahmen von Soli-Cafés und Kneipenabenden Geld für das Camp zu sammeln, ist das AJUCA ohne externe Förderung nicht stemmbar. Dabei unterstützt der „Bund der deutschen Pfadfinder*innen MV“. Für Vortragshonorare und Notfall-Wärmflaschen, wenn die Nächte doch kälter sind als erwartet, braucht es dann eben doch mehr als ehrenamtliche Hände. Und doch: das AJUCA funktioniert nur, weil sich ehrenamtliche Menschen Monate vorher hinter die Organisation klemmen und unbezahlt Nächte lang E-Mails beantworten oder Konzepte basteln. 

Und auch auf dem Camp ist das Plenum ein fester Bestandteil. Täglich 12:00 Uhr wurde sich mit allen AGs, aber auch den Campteilnehmenden, die einmal in die Orga reinschnuppern wollten oder eigene Anliegen mitbrachten, zusammengesetzt. Lasst euch dabei nicht täuschen: auch auf dem AJUCA gibt es linke Grabenkämpfe, selbst das Orga-Team ist längst nicht immer einer Meinung und ja, manchmal gerät es auch so richtig aneinander. Das Wichtigste ist aber: das AJUCA lebt trotzdem Jahr für Jahr weiter, weil sich am Ende des Tages an ein und den selben Tisch gesetzt wird, ermüdende Konsense ausgehandelt werden und eigentlich doch allen klar ist, dass wir im Ursprung alle dasselbe wollen: Jugendlichen einen Raum geben, sich linkspolitisch auszuprobieren, zu vernetzen und ihre Haltung zu festigen. Niemand sonst wird ihnen das Werkzeug an die Hand geben, welches sie in diesen schweren Zeiten brauchen werden.

Und aus diesem Grund freut sich das AJUCA über jeden Nachwuchs im Orga-Team. Alle sind willkommen, um gemeinsam zu planen und nicht nur zu mutmaßen, was wohl gerade spannende Themen sind.

Die linke Jugend strahlt. Bleibt standhaft, bleibt provokant.