Die Anastasia-Bewegung: Völkisch, esoterisch, antisemitisch
Auf etwas mehr als 100 Seiten befasst sich die Autorin mit den Inhalten, Akteur_innen, Aktivitäten und Netzwerken der rechtsesoterischen und völkischen Anastasia-Bewegung.
Was der Reihe „transparent“ des unrast Verlag seit 2009 mit handlichen Einführungsbüchern zu verschiedensten linken und antifaschistischen Themen immer wieder gelungen ist, mag hier nicht wirklich überzeugen. Als größtes Manko erweist sich die fehlende ideologische Einbettung, stattdessen wird lediglich schlaglichtartig auf einzelne Erscheinungsformen geblickt.
Grundlage der Bewegung ist eine zehnteilige Buchreihe des russischen Autors Wladimir Nikolaevič Megre über die Romanfigur Anastasia. Anhand einzelner Textstellen zeigt es zu Beginn auf, dass sich „antisemitische Muster und Mythen […] durch die gesamte Anastasia-Buchreihe konstant durchziehen“. Die Erzählung bedient darüber hinaus „rassistische Stereotype und propagiert eine auf vermeintliche Reinheit orientierte Rassenlehre“ sowie einen Sexismus, der Frauen Männern grundsätzlich unterordnet und sie „auf die Rolle der gebärdenden Mutter“ reduziert. Nach dieser einführenden Darstellung der verbreiteten Inhalte zeigt sich die Schwachstelle des Buches: Auf eigene Recherchen und tiefergehende Analysen wird nahezu verzichtet, dafür häufig Bezug genommen auf bereits veröffentlichte Einschätzungen von Expert_innen zum Thema. Besonders deutlich wird dies in der Vorstellung zentraler Akteur_innen und Netzwerke der auch in Deutschland aktiven Anastasia-Bewegung. Anstelle einer Einbindung in die extrem rechte und völkisch-nationalistische Szene finden sich in erster Linie Ansammlungen von Eigenaussagen, die nicht vertiefend kontextualisiert werden. So heißt es über den Anastasia-Anhänger und Betreiber der Internetseite „Urahnenerbe Germania“ Frank Willy Ludwig: „Es fällt schwer, sich vorzustellen, dass Menschen all das, was er sagt, schreibt und bewirbt, wirklich glauben. Aber selbst wenn bei einigen die Alien-Storys dann doch nicht verfangen, bleibt vermutlich die zentrale Botschaft nach dauernder Wiederholung hängen (…).“
Das Buch lädt dazu ein, sich den im Buch verwiesenen Publikationen von Expert_innen wie Andrea Röpke, Matthias Pöhlmann, Lotta Maier und Andreas Speit zuzuwenden.•
Hanna Poddig
Die Anastasia-Bewegung
Völkisch, esoterisch, antisemitisch
ISBN: 978-3-89771-155-6
unrast transparent. rechter rand.
Münster 2025, 112 Seiten. 9,80 Euro