"White Date" Hack
Eine Hacktivistin mit dem Pseudonym „Martha Root“ hat während eines Talks auf dem 39. Chaos Communication Congress (39C3) live die Neonazi-Dating-Seite „WhiteDate“ (WD) gehackt und gelöscht. Sämtliche erbeuteten Daten wurden anschließend auf okstupid.lol veröffentlicht. Demnach war die IT-Sicherheit so miserabel gewesen, dass „sogar der AOL-Account deiner Oma rot würde“.
Laut Recherchen auf dem CCC präsentierte sich Christiane Horn als „Nordfrau“.
„WhiteDate“ ist eine Plattform weißer Suprematist:innen, die sich an Rassist:innen und Antisemit:innen richtet – und auf veralteter Infrastruktur basiert. Was die 8000 Mitglieder nicht wussten: Einige der Neonnazis flirteten mit realistisch wirkenden Chatbots - und verliebten sich sogar in sie.“, berichtete der CCC in der Ankündigung zu dem Vortrag über den Hack. Bereits vor dieser abschließenden Aktion schien es ein Datenleck bei der Partnerbörse „whitedate.net“ gegeben zu haben. Die Schweizer Zeitung WOZ1 und die Deutsche Zeitung „Die Zeit“2 hatten bereits Erkenntnisse aus einem Hack von „WhiteDate“ ausgewertet.
„Liv Heide“ - „Nordfrau“ - Christiane Horn?
Die CCC-Veranstaltungsankündigung berichtete: „Gemeinsam mit Reporter:innen der „Die Zeit“ konnten wir die Person hinter der Plattform enttarnen und ihre Radikalisierung von einer erfolgreichen Pianistin zu einer Szene-Unternehmerin nachzeichnen.“ Laut der Medien-Recherchen steht hinter „WhiteDate“ eine Person mit dem Pseudonym „Liv Heide“. Als „Nordfrau“ zählte sie zu den zwölf Prozent weiblichen Personen in ihrem Dating-Portal. Die "Neue Südtiroler Tageszeitung Online" berichtete in ihrem Artikel „Tinder für Nazis“ offen: „(...)Gegründet und geführt wird „WhiteDate“ von Christiane Horn, geborene Sachs (...)“.3
„Martha Root“ verweist auf der Homepage „okstupid.lol“ auf einen öffentlichen Firmeneintrag der Firma „Horn & Partners Sàrl, Paris, Frankreich“, als deren Geschäftsführerin Christiane Sachs benannt wurde. Diese Firma hatte sich im Mai 2019 die Bildmarke mit dem Namen „White Deal, Hire European Staff“ beim „Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum“4 anmelden lassen. Also dem Namen einer der Projekte von „Liv Heide“. Als „correspondence address“ der Firma ist eine Anschrift im Kreis Rendsburg-Eckernförde in Schleswig-Holstein veröffentlicht worden. Bereits Anfang 2017 war die Wortmarke „Furor Teutonicus“ zur Anmeldung gebracht worden.5 Auch in den anderen Recherchen von „Die Zeit“ und „WOZ“ wurde „Liv Heide“ als die Deutsche Christiane H. identifiziert.
Die Plattformbetreiberin ist bereits weit über 50 Jahre alt und hat fast zwei Jahrzehnte in Paris gelebt und dort als Musikerin gearbeitet, bevor sie zurück nach Deutschland in die Nähe von Kiel zog. Sie war in Deutschland in die Neonazi-Szene und Kreise von Holcaust-Leugnern vernetzt. Nach Informationen von „Die Zeit“ und „WOZ“ besuchte sie Veranstaltungen des völkischen „Bund für Deutsche Gotterkenntnis Ludendorff“. 2017 gründete sie schließlich „WhiteDate“. In den vergangenen Jahren trat sie auch mehrfach in Neonazi-Podcasts auf, um ihr Projekt zu bewerben. Hier warnte sie vor einem angeblichen „Rassenkrieg“ bzw. einem „Genozid an den Weißen“ . Mit dem Portal wollte sie „die exklusiv weiße Gemeinschaft wieder aufleben“ lassen, um dadurch einen „weißen Völkermord“ zu verhindern. Auf ihrer Website bezeichnete sie „WhiteDate“ als „Plattform für Europide“, ein Begriff der aus den Begrifflichkeiten der NS-Rassentheorie stammt.
Neben der Flirt und Dating-Option gab es auch völkisch-rassistische Literatur-Empfehlungen und die Möglichkeit zur „weißen Vernetzung“. Hierzu gab es Unter-Plattformen wie „How to build White Communities“ oder „Nordish by Nature“. Zusätzlich gründete Christiane Horn weitere „weiße“ Online-Plattformen. Hierzu hieß es in der Ankündigung zum CCC-Talk: „Um ihr Dating-Portal hat sie ein Netzwerk von Websites aufgebaut, dass seinen Nutzern Liebe, Treue und Tradition vermarktet. „WhiteDate“ verspricht romantische Beziehungen, „WhiteChild“ propagiert Familien- und Abstammungsideale und „WhiteDeal“ ermöglicht berufliches Networking und „gegenseitige Unterstützung“ unter einem rassistischen Weltbild.“
Wer nutzt denn so was?
„WhiteDate“ war ein Dating-Portal, in dem sich viele Nutzer und einige Nutzerinnen mit „weißen Genen“ oder „rein deutscher Abstammung“ präsentierten, die Partner mit „Rassenverständnis“ und „traditionellen Werten“ suchten. Geflirtet wurde mit reichlich völkischer Ideologie, Antisemitismus, menschenverachtenden Memes und vielen neonazistische Symbolen.
Die Daten lassen einen Blick in das Innenleben des rassistischen Portals zu. Fast 8000 Menschen aus 88 Ländern auf der ganzen Welt suchten hier nach der „reinen“, „weißen“ oder „arischen“ Liebe. Nach eigenen Angaben sind die NutzerInnen durchschnittlich 37 Jahre alt, vermutlich dürfte das reale Alter etwas höher liegen. Ganze 63,4 Prozent der angemeldeten Personen gaben an aus den USA zu kommen, zehn Prozent (684 Personen) aus Deutschland. Der Rest wohnte angeblich in Großbritannien, anderen europäischen Ländern (39 Personen aus der Schweiz, über 50 aus Österreich, über 80 aus Italien) sowie in Südafrika, Kanada und Australien.
Der Männeranteil bei „WhiteDate“ lag zuletzt bei 88 Prozent. „Martha Root“ kommentierte dies treffend auf „okstupid.lol“ mit den Worten: „Ein Geschlechterverhältnis, das das Dorf der Schlümpfe wie eine feministische Utopie aussehen lässt.“ Bei einer Auswertung der Daten konnten „Die Zeit“-Journalist:innen u.a. fünf (damalige) Lokalpolitiker der AfD (darunter ein Hamburger AfD-Bürgerschaftsabgeordneter), drei (damalige) Mitglieder des „Bündnis Sahra Wagenknecht“ und zwei Anhänger der „Identitären Bewegung“ als „WhiteDate“-User identifizieren. Unter den Nutzerinnen war die Bewohnerin eines Bauernhofs der völkisch-esoterischen „Anastasia-Bewegung“.
Ein Blick in die braune Lebensrealität
Die Erwartungen der weißen Männer an die gesuchten weißen Frauen waren hoch. So schrieb zum Beispiel „Der Führer“ in seiner Selbstbeschreibung: „Ich bin ein 66-jähriger weißer Amerikaner und suche eine genetisch elitäre weiße Frau unter 24 Jahren, die sich fortpflanzen möchte. Wir müssen das Überleben unseres Volkes und eine Zukunft für weiße Kinder sichern. Heil Hitler!“ Der User „Martin_83“ aus Graz war laut Medienberichten FPÖ Kandidat und suchte laut Selbstbeschreibung eine „(...)nationalsozialistische Frau mit germanischen Wurzeln“, die „mindestens vier Kinder will“. Der 24-jährige User „Iwan“ aus Düsseldorf will sogar mehr als vier Kinder, da „Kinderreichtum“ für ihn „der größte Schatz“ sei, „dessen sich eine deutsche Familie erfreuen“ könne. Ein 72-jähriger Wiener hatte (angeblich) bereits vier Kinder und suchte auf der Plattform eine Frau, mit der er weitere fünf Kinder zeugen könne, um diesen dann „Mein Kampf“ vorzulesen. Der 25-jährige Turiner „Nationalsozialist“ mit dem User-Namen „Aquarius“ suchte „ (…) Eine Frau, die weder dem Konsumwahn noch feministischen Ideen des 20. Jahrhunderts verfallen ist (…)“. Der 26-jährige „Andreas“ aus Winterthur suchte „(...)eine Schweizer Frau, am besten mit eher blonden Haaren und blauen Augen, damit die nordischen Gene nicht verloren gehen (...)“. Der 22-jährige „Leander“ aus Berlin will die linke Szene wegen seinem „natürlichen Rassenbewusstsein“ verlassen haben. Auf anderen Plattformen habe er bereits vergeblich nach einer „reinrassigen Frau“ gesucht, die auch „ihre traditionelle Rolle kennt“. Seinen eigenen Intelligenzquotient (IQ) gibt er bescheiden mit „120-139“ (sehr hoch) an. Traditionelle Rollenmuster sind ein ständiges Thema. Der 31-jährige „Ulli“ aus Berlin will mehr als vier Kinder und erklärt seiner gesuchten Frau seine Weltsicht: „Ich bin ein stolzer deutscher Mann, mit rein deutscher Abstammung und suche auf diesem Weg nach einer Frau, der dies genauso wichtig ist. In der heutigen Gesellschaft haben klare Rollen von Mann und Frau kaum mehr Bedeutung, umso wichtiger ist es mir, für mich jemanden zu finden, mit gleicher Ansicht, traditionellen Werten und Rassenverständnis wie ich. Du suchst einen arischen Mann, möchtest eine kinderreiche Familie gründen, als Hausfrau für Haus und Kinder sorgen, dich deinen Projekten und Hobbys widmen und stehst zu deiner Rolle die dir die Natur gegeben hat? Dann bin ich wahrscheinlich der richtige für dich“. Seine politische Selbstverortung beschreibt das bei „WhiteDate“ vertretene Milieu ganz gut: „Political Orientation: Pro-White, Fully redpilled, Traditionalism, Volkism, National Socialism, Fascism.
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www.woz.ch/2541/singleboerse-fuer-rechtsextreme/wenn-nur-die-reine-lieb…
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"Die Zeit", "Dinkel88 sucht nach Liebe" von Christian Fuchs und Eva Hoffmann, 8. Oktober 2025
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www.tageszeitung.it/2026/01/11/tinder-fuer-nazis/ vom 11. Januar 2026
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Unionsmarke 018007018
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DPMA-Registernummer 302016229390