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Kroatien: Zwischen Hotel, Privatvilla und Militärakademie

Einleitung

Der bekannte Rechtsaußen-Geschäftsmann Reinhard Rade bzw. sein Umfeld kauft sich auf der kroatischen Insel Šipan ein. Dort empfing er u.a. eine rechte „Heimwehr“ – das recherchierte die Zeitung „DerStandard“.

Reinhard Rade Kroatien
(Bild: Montage mit Screenshot: Facebook / Caffee Bar Luka @sipanskalukabarluka)

Bei facebook wurde mit Rades Aufenthalt in Kroatien quasi geworben: "Enjoy beautiful moments at the terrace caffe bar Luka. Mr. Reinhard Rade" (10.09.2019)

Reinhard Rades Immobilen-Netzwerk auf Šipan

Kontinuierlichen AIB-Leser_innen dürfte der Leipziger Reinhard Rade durch seine langjährigen Kontakte und Aktivitäten in extrem rechten Kreisen noch bekannt sein. Mitte Oktober 2025 veröffentlichte die Zeitung „DerStandard“ eine Reportage über dessen Geschäfte und deren politische Folgen in Kroatien.1

Reinhard Rade ging wiederholt juristisch gegen die AIB-Berichterstattung über ihn („Bewaffnete Neonazis im Ausland“ und „Rechte Glücksritter in Ostdeutschland“) vor. Aber immerhin entschied das Landgericht Leipzig im August 2018 in einem Urteil: „(...)Das erhebliche öffentliche Interesse ergibt sich aus dem Umstand, dass der Kläger, der in erheblichem Umfang in der Immobilienbranche tätig ist, sich an zumindest einer Kundgebung der Legida beteiligte(...)“ und „(...)Der Kläger hat gegen die Beklagte keinen Anspruch auf Unterlassung der Aussage, dass der Kläger früher im rechten Söldnermilieu aufgefallen sein soll(...)“. Reinhard Rade bestreitet das.

Alte Kontakte?

Die Autor_innen berichten im „DerStandard“-Artikel über eine Immobilie auf der Insel Šipan (nordwestlich von Dubrovnik), die dem Kreis um Rade zugerechnet werden kann.1 Der Blick aus Österreich ergibt durchaus Sinn: Rade ist nicht nur gebürtiger Innsbrucker, auch einige seiner Weggefährten stammen aus rechten und neonazistischen Kreisen in Österreich. „DerStandard“ hält fest: „(...) An seiner Seite steht bis heute eine weitere Figur des Rechtsextremismus in Österreich: Hans Jörg Schimanek junior. Dessen Familie ist tief in der FPÖ verankert. Der gleichnamige, 2024 verstorbene Vater war einst Landeschef der FPÖ Niederösterreich; Bruder René bis vor einigen Monaten Büroleiter von Nationalratspräsident Walter Rosenkranz (...)“ Hans Jörg Schimanek (junior) war in den 1990ern zeitweilig einer der Führungskader in der Neonazi-Gruppe „Volkstreue Außerparlamentarischer Opposition“ (VAPO). Filmaufnahmen aus der Zeit zeigen ihn beim Trainieren des lautlosen Tötens bei „Wehrsportübungen“.

Mittlerweile lebt Schimanek wie Rade in Sachsen. Im November 2024 wurden seine Söhne als mutmaßliche Mitglieder der Gruppierung „Sächsischen Separatisten“ verhaftet. Die deutsche Bundesanwaltschaft (BAW) hat gegen diese Gruppierung Ende August 2025 Anklage wegen Rechtsterrorismus erhoben. 

Laut „DerStandard“ waren u.a. die nun angeklagten Jörg Schimanek und Jörn Schimanek im Sommer 2021 unterwegs zur Insel Šipan. Jörn Schimanek teilte demnach zur Vorbereitung eine Packliste, die auch an „Wehrsport“ erinnern könnte: Tarnkleidung, „basic tools“, Stiefel, Isomatte, Schlafsack, Tarp (Plane) und Paracord (Seil).

Neue Geschäfte?

„DerStandard“ berichtete, dass das Umfeld von Rade Immobilien und Grundstücke auf der Insel kaufe. Erst ein Haus und 2018 das wichtigste Hotel der Insel. Als Käufer trat demnach die "Hotel Šipan GmbH" auf. Als deren Gesell­schafter ist u.a. Rades Ehefrau eingetragen (gewesen). Später überahm die Getränkefirma „Ombla-Ragusa“ das Hotel. Dieses Unternehmen ist auf Rades Ehefrau eingetragen (gewesen). „(...) Direktor des Hotels mit über 75 Zimmern und 132 Betten ist Julius F. aus Bad Tölz, der sich in Rades Umfeld bewegt (...)“ berichtet „DerStandard“. Zum Ärger der Anwohner_innen werde es aber nicht mehr als Hotel genutzt, sondern als eine Art „Privatvilla“.

Rade und sein Umfeld sollen mittlerweile noch weiteres Land, Wald, dutzende Grundstücke und das historische Herrenhaus „Knežev dvo“ erworben haben.

Politische Auswirkungen

Laut „DerStandard“ bestehen Kontakte zu rechten kroatischen Verbänden. Auf der unbewohnten Nachbarinsel Jakljan wurden im Sommer 2019 Kränze für Wehrmachtsangehörige und Ustascha-Angehörige niedergelegt, die dort erschossen worden waren. Organisiert hatte dieses Gedenken die „Kroatische Heimwehr Dubrovnik“. Laut einem Bericht des Lokalmediums „Dubrovački Dnevnik“ vom August 2019 kehrte die „Heimwehr“ anschließend in das Hotel in Šipan ein. Im zeitlichen Zusammenhang mit diesem Gedenken war auch das Denkmal für Partisaninnen und Partisanen auf Šipan zerstört worden.2

Militärakademie Šipan?

Šipan taucht laut „DerStandard“ auch im Kontext einer Art "Söldnerfirma" namens „Asgaard“ auf, die von Rade beraten worden sein soll. Auf Šipan seien Trainings und ein Schießstand vorgesehen gewesen. Dies sei jedoch wieder verworfen worden. 

Das „Asgaard“-­Netzwerk geriet immer wieder in den Fokus von Ermittlern, gegen zwei Personen mit „Asgaard“-Bezügen wurde wegen der versuchten Gründung einer terroristischen Vereinigung ermittelt. Im AIB Nummer 130 berichtete der Autor Dirk Laabs in dem Artikel „Die merkwürdige Geschichte der Firma Asgaard“ aus dem Innenleben der Firma. Er hatte für das Buch „Staatsfeinde in Uniform – Wie militante Rechte unsere Institutionen unterwandern“ auch in diesen Kreisen recherchiert: 

„(...) Die Geschichte der Firma Asgaard zeigt, dass Rade auch tatsächlich das Interesse am Söldnergewerbe nicht verloren hat. Er ließ Dirk G. und seine Firma sogar bei sich unterschlüpfen und er nutzte seine Kontakte, um das Geschäft von Dirk G. und Asgaard anzukurbeln, eine Firma, die anfangs kaum mehr war als ein Versprechen. Mir selbst erzählte Dirk G., dass er sogar ein Praktikum bei Rade gemacht habe, man kannte sich seit den Olympischen Spielen in Athen 2004, wo man im Sicherheitsbereich zu tun hatte. Nach dem Praktikum versuchte Dirk G. mühsam, mit Asgaard am Markt Fuß zu fassen. Und auch Rade half ihm weiter. Rade dachte erst, so sagte er mir, Asgaard sei ein ‚Sauhaufen‘ gewesen. Warum half er dann Asgaard überhaupt?  ‚Weil Dirk mein Freund ist. Das ist der einzige Grund.‘ Über einen Kontakt von Rade, einem Deutschen, der unter anderem in Namibia aktiv war, bekam Dirk G. einen Kontakt im Nordirak vermittelt, wo seit dem Krieg viel Arbeit auf Ex-Soldaten wartete (...)“

Innerhalb der Firma gab es Konflikte über deren Ausrichtung. Laabs berichtete: „ (...) Zwischen Bilaal Zaher und Dirk G. kam es unterdessen zum Streit. Um die Zukunft der Firma zu klären, trafen sich die ungleichen Geschäfts­partner und ihre Berater im Leipziger Büro von Reinhard Rade - der offen als Berater von Dirk G. auftrat. Nicht nur Dirk G., sondern auch Reinhard Rade begeisterte sich für die Möglichkeiten, die sich nun bieten würden, so erzählt Zaher. Man könnte die Struktur der Firma ausnutzen: Männer trainieren, nicht nur in der Schweiz, auch in einer von Rade aufzubauenden militärischen Akademie in Kroatien, ganz in der Nähe von Rades Hotel dort. Sowohl Rade als auch Dirk G. bestätigen mir, dass es diese Pläne für eine Akademie in Kroatien wirklich gab. Dirk G. wollte einfach in Ruhe trainieren, „360­-Grad“­-Schießen, „ohne Paparazzi“. Rade bestätigte mir diese Idee, G. habe diskret trainieren wollen, es sei ihm immer ums Ausbilden, um das Militärische gegangen. Er selbst sei gegen den Plan gewesen, sagte er mir, man könne doch an vielen Orten in Europa trainieren – und das viel billiger. Auch Dirk G. hatte mir erklärt, dass die Waffengesetze in Deutschland zu streng seien und man deswegen nach Polen, Tschechien und in die Ukraine ausweichen müsse. Trotzdem wollte er eine eigene Akademie in Kroatien. Mit dem Tag X habe das nichts zu tun gehabt, erklärten mir Dirk G. und Rade (…) Zaher erlebte die Situation anders. Es sei im Zusammenhang mit der Akademie durchaus auch darüber gesprochen worden, dass man sich vorbereiten wollte auf den Zusammenbruch in Deutschland, die ‚bürgerkriegsähnlichen Zustände‘ (...)“

Stützpunkt in Kronsegg?

Laut „DerStandard“ machten die jungen Schimanek-Brüder auf dem Rückweg von Šipan auch in Kronsegg in Österreich Halt. Ein Treffen mit dem früheren VAPO-Führer Gottfried Küssel sei ebenfalls bekannt geworden. Die Region soll als eine Art Rückzugsort für die mutmaßlichen Terroristen der „Sächsischen Separatisten“ gegolten haben. Konkret war hierfür wohl ein Forsthaus in der Nähe der Burgruine Kronsegg im Gespräch gewesen. Genug Diesel habe man, um im Ernstfall den „Stützpunkt“ in Österreich zu erreichen, soll Jörg Schimanek demnach mitgeteilt haben. 

Der „Stützpunkt“ liegt unweit von Langenlois, wo das Familienmitglied René Schimanek als Stadtrat tätig war. Ermittler fanden bei einer Hausdurchsuchung in dem Forsthaus und einem Tunnel nahe der Burgruine NS-Devotionalien, Sprengstoff und Munition. „(...) Das Forsthaus nahe der Burg ist in der rechtsextremen Szene nicht unbekannt: Bereits in den 1980er- und 1990er-Jahren organisierte dort der Vater der beiden Brüder, Hans Jörg Schimanek junior, Wehrsportübungen (…) Gegen Hans Jörg junior wird seit der Durchsuchung des Forsthauses wegen des Verdachts auf Wiederbetätigung ermittelt (...)“, berichtete „DerStandard“.3 Diese Ermittlungen wurden mittlerweile jedoch wieder eingestellt. Es konnte wohl kein "Eigentümer" der sichergestellten NS-Devotionalien im Schimanek-Forsthaus festgestellt werden.

  • 1a1b

    DerStandard: "Der rechtsextreme Ex-Söldner, eine Insel vor Kroatien und Trips mutmaßlicher Neonazis" von Fabian Schmid, Colette M. Schmidt, Adelheid Wölfl und Martina Renner. 18. Oktober 2025.

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    https://dubrovackidnevnik.net.hr: NACISTIČKA SVINJARIJA NA ŠIPANU Zastava svetog Vlaha na pola koplja zbog poginulih ‚esesovaca‘, von Vedran Salvia, 24. August 2019.

  • 3

    „DerStandard: "Rechtsextreme 'Sächsische Separatisten' wollten sich am „Tag X“ nahe der Burgruine Kronsegg zurückziehen" von Laurin Lorenz und Fabian Schmid, 7. Februar 2025.