Ex-"Identitärer" führt AfD-Jugend in Brandenburg an
Pressefuchs BrandenburgDass Fabian Jank als Vorsitzender des Landesverbands Brandenburg der „Generation Deutschland“ gewählt wurde, ist kein Zufall. Mit dem Amt komplettiert sich seine Blitzkarriere in der AfD. Als Jank am 17. Juni 2017 in Berlin an einer Demonstration der „Identitären Bewegung“ teilnimmt, ist noch nicht klar, wie weitreichend sein Engagement für die Gruppe gehen wird.
Fabian Jank (links) verteilte Pfefferspray und Flyer in der Cottbuser Innenstadt.
Am 7. Februar 2026 gründete sich der AfD-Jugend-Landesverband „Generation Deutschland Brandenburg“. Die AfD verfügt damit auch in Brandenburg wieder über eine Jugendorganisation. Die einstmalige „Junge Alternative Brandenburg“ war 2014 in Königs Wusterhausen aus der Taufe gehoben worden. Ende März 2025 war sie gemeinsam mit dem Bundesverband aufgelöst worden, um einen Neustart zu ermöglichen. Das jetzige Gründungstreffen fand wieder in Königs Wusterhausen statt – und auch sonst überwiegen die Kontinuitäten zur alten „Jungen Alternative Brandenburg“. Wieder erscheint die AfD-Jugend als eine Art Sammelbecken für politisch aggressiv bis kämpferische auftretende (extreme) Rechte jüngerer Jahrgänge.
Brandenburg goes Gießen
Die AfD-Jugend in Brandenburg ist nicht irgendein Verband, sondern war schon zu Zeiten der „Jungen Alternative“ als auch jetzt bei der Neuschaffung der „Generation Deutschland“ ein Schwergewicht. Wie bereits die „Junge Alternative“ auf Bundesebene durch die Brandenburger dominiert wurde, so ist nun der Aufbau der „Generation Deutschland“ maßgeblich durch die jungen Brandenburger AfDler vorangetrieben worden.
Die geführten Debatten auf dem Gründungskongress wurden stark gelenkt und geprägt durch (ehemalige) Brandenburger, die auf eine lange und aktive Zeit in der „Jungen Alternative Brandenburg“ zurückblicken können. Dennis Hohloch, der es zum parlamentarischen Geschäftsführer der AfD-Fraktion im Brandenburg Landtag geschafft hat, sowie Martin Kohler sind dabei zu nennen. Hohloch war für mehrere Jahre Vorsitzender der „Jungen Alternative Brandenburg“ und Kohler für etliche Jahre der stellvertretende Vorsitzende. Unter anderem Hohloch war vom AfD-Bundesvorstand, in dem er Mitglied ist, mit der Neugründung der AfD-Jugend betraut worden. Ebenso ist der letzte Vorsitzende der „Jungen Alternative“ zu nennen, Hannes Gnauck, der ebenso die Gründungsveranstaltung in Gießen mit prägte.
Doch mit das Entscheidendste: Der Brandenburger Jean-Pascal Hohm wurde mit knapp über 90 Prozent der Stimmen der 725 Delegierten zum neuen und ersten Vorsitzenden der „Generation Deutschland“ gewählt. Der heutige Cottbuser und AfD-Landtagsabgeordnete betätigte sich früh in der „Jungen Alternative Brandenburg“ und war deren erster Vorsitzender. Er gehört zu den jungen AfD-Politikern, die größtenteils durch die Vorfeldorganisationen sowie die Partei selbst politisiert wurden. Er machte in den Jahren nach der Gründung der „Jungen Alternative Brandenburg“ mit einem vielfältigen Potpourri an (extrem) rechten Aktivismus auf sich aufmerksam. Dabei viel unter anderem auch immer wieder seine Nähe zur Gruppierung „Identitären Bewegung“ auf.
„Zukunft Heimat“ als Radikalisierungsinstanz der AfD-Jugend-Chefs Hohm und Jank
Sowohl Hohm als auch Fabian Jank, der als Vorsitzender der „Generation Deutschland Brandenburg“ bestimmt wurde, politisierten sich offenbar auch bei den flüchtlingsfeindlichen Protesten des (extrem) rechten Vereins „Zukunft Heimat e.V.“. Dieser veranstaltete ab 2015 in mehreren Südbrandenburger Orten Demonstrationen, ehe er sich auf die Präsenz in Cottbus spezialisierte. Diese Demonstrationskampagne war wichtig für die Entwicklung der AfD in Brandenburg hin zur Bewegungspartei. Etliche AfD-Politiker beteiligten sich daran – unterstützt von einigen Größen der Brandenburger Neonazi-Szene. Besonders einige Kader der 2012 verbotenen Neonazi-Gruppierung „Spreelichter“ brachten sich bei „Zukunft Heimat“ ein.
Ende Oktober 2015 marschierten bei den "Zukunft-Heimat"-Demos in Lübbenau und in Lübben auch die jetzigen „Generation Deutschland“-Funktionäre Hohm und Jank mit. Etwa einen Monat später, am 5. Dezember 2015, ergibt sich ein ähnliches Bild in Lübben. Auch dort unabhängig voneinander auf der Demonstration: Fabian Jank mit Deutschlandfahne und Jean-Pascal Hohm.
Hohm betätigte sich später im Umfeld der extrem rechten „Identitären Bewegung“ und soll mit einem Regionalchef der Gruppe zeitweise in einer Wohngemeinschaft gelebt haben. Jank hingegen war wesentlich länger in den Kreisen der „Identitären Bewegung“ aktiv.
Von der „Identitären Bewegung“ in die AfD: Fabian Jank
Dass Jank als Vorsitzender des Landesverbands Brandenburg der „Generation Deutschland“ gewählt wurde, ist kein Zufall. Mit dem Amt komplettiert sich seine Blitzkarriere in der AfD. Dabei scheint besonders seine politische Vita karrierefördernd zu sein.
Als Jank am 17. Juni 2017 in Berlin an einer Demonstration der „Identitären Bewegung“ teilnimmt, ist noch nicht klar, wie weitreichend sein Engagement für die Gruppe gehen wird. Am 4. Juli 2017 tauchte Jank dann in Cottbus auf. Es war der Tag der Gründung einer Ortsgruppe der extrem rechten „Identitären Bewegung“ in Cottbus. Mehrere Aktivisten der Gruppe posierten mit einem Banner mit der Aufschrift „Wir helfen, wo die Regierung versagt! Identitäre Bewegung“ in der Innenstadt. Außerdem verteilten sie Pfefferspray an Passantinnen, wie eindrücklich Propagandafotos der Gruppe zeigen. Auf einem dieser Fotos ist der nun als Vorsitzende der „Generation Deutschland Brandenburg“ gewählte Fabian Jank zu sehen.
Wie eng Jank in die Kreise der „Identitären Bewegung“ eingebunden war, zeigen weitere Aktionen in Südbrandenburg, an denen er beteiligt war. Zwei Monate nach der Gründung führte die extrem rechte Gruppe eine Aktion am 9. September 2017 durch. An der Außenmauer der Slawenburg Raddusch hängten sie ein Banner mit der Aufschrift „Stoppt den Austausch! Festung Europa jetzt! Identitäre Bewegung“ auf. Im Anschluss verbreiteten sie im Internet ein Video der Aktion, in dem deutlich Jank zu erkennen ist. Kurz darauf, am 20. Oktober 2017, stiegen mehrere Personen der „Identitären Bewegung Cottbus“ auf das Dach der Stadthalle und entrollten ein Banner mit der Aufschrift „Grenzen schützen – Leben retten“. Anschließend warfen sie Flugblätter von dem Dach und zwei Aktivisten schwenkten Fahnen der Gruppe. Einer der Fahnenschwenker: Fabian Jank.
Als Jank 2018 ein Bachelor-Studium der Agrarwissenschaften in Halle aufnahm, blieb er der „Identitären Bewegung“ treu. Von Oktober 2018 bis Januar 2020 bewohnte er in Halle das „Flamberg“-Haus. Dabei handelte es sich um ein Wohn- und Hausprojekt des lokalen Identitären-Ablegers „Kontrakultur“. Das Haus war zeitweise Epizentrum des extrem rechten Aktivismus in Sachsen-Anhalt. An einigen Aktionen der Gruppe war er in Halle präsent, wie beispielsweise einem Infostand mit überregionaler Beteiligung am 23. Juni 2018 in der halleschen Innenstadt.
Als Jank 2021 nach Südbrandenburg zurückkehrte, war deutschlandweit die Dynamik der „Identitären Bewegung“ erlahmt. Ihre Rolle als aktionistische Jugendbewegung war von der „Jungen Alternative“ übernommen worden, was besonders deutlich an der „Jungen Alternative Brandenburg“ wurde. Insofern war es nur konsequent, dass Jank 2022 in die AfD eintrat. Damit fiel der Startschuss für seine Blitzkarriere in der Partei. Bei den brandenburgischen Landtagswahlen zog Jank im Wahlkreis in das Landesparlament ein. Ende 2024 wurde er Vorsitzender des AfD Kreisverbands OSL. Im Sommer 2025 reiste Jank mit seiner Landtagsfraktionskollegin Lena Kotré nach Mailand zum „First European Remigration Summit“. Dort kamen internationale Akteure der „Identitären“ und weitere extreme Rechte zusammen, um ihre Pläne zur Umsetzung ihrer „Remigrations“ -Fantasien zu besprechen.
Bekanntes Personal
Als Stellvertreter von Jank wurde der Havelländer Felix Niedermeyer in den Vorstand der „Generation Deutschland Brandenburg“ gewählt. Politisch trat dieser in der Vergangenheit durch eine Nähe zum Neonazismus öffentlich in Erscheinung. Als die Neonazis der „Freien Kräfte Neuruppin-Osthavelland“ im April 2017 unter dem Motto „Gedenken an die Bombenopfer“ zu einer Kundgebung in Nauen aufriefen, befand sich Niedermeyer unter den Teilnehmenden. Als er gerade zwei Jahre später, 2019, den Weg zur AfD einschlug, dauert es nicht lange, bis er in der „Jungen Alternative Brandenburg“ zum Funktionsträger aufstieg. Am 13. November 2021 wurde Niedermeyer als Beisitzer in den Vorstand der Jugendorganisation gewählt. Seine Karriere fand den bisherigen Höhepunkt nach den Kommunalwahlen 2024. Dort schaffte er den Einzug in die Stadtverordnetenversammlung von Friesack und in den Kreistag Havelland.
Bekannte Unterstützer
Beim Gründungskongress der neuen Brandenburger AfD-Jugend war auch Arne Friedrich Mörig vor Ort. Er ist ein Sohn von Gernot Mörig, der zum „Remigrations Treffen“ 2023 in Potsdam eingeladen hatte. Arne Mörig soll bei dem Treffen einen Vortrag über die Gründung einer Art rechten Social-Medie-Agentur gehalten haben. Bereits bei der Gründung der AfD-Jugend in Gießen war auch der reche Szene-"Rapper" Maik Siewert alias „Bloody 32“ anwesend. Bei der Gründung der „Generation Deutschland Brandenburg“ saß er nun zeitweilig in der ersten Reihe.