Ideologische Vorbilder und transnationale Einflüsse der frühen NSDAP
Die 1920 gegründete NSDAP entstand nicht im politischen Vakuum. Ihre ideologischen Wurzeln lagen zum einen in völkischen, antisemitischen und antimarxistischen Strömungen des Deutschen Kaiserreichs, zum anderen aber auch in Entwicklungen im europäischen Ausland.
Eine wichtige Inspirationsquelle war der italienische Faschismus unter Benito Mussolini. Dessen „Marsch auf Rom“ 1922 wurde in nationalsozialistischen Kreisen aufmerksam verfolgt und später von Adolf Hitler im (gescheiterten) „Hitlerputsch“ von 1923 kopiert. Auch die Idee einer straff organisierten Massenpartei mit paramilitärischen Verbänden fand in Italien ein frühes Modell – speiste sich aber in Deutschland zusätzlich aus einer Melange von Freikorps-Erfahrungen und einer bereits im Kaiserreich stark in Verbänden organisierten Gesellschaft.
Neben Italien wirkten auch extrem rechte und autoritäre Strömungen in Ungarn, etwa unter Miklós Horthy, oder in Österreich auf nationalsozialistische Ideologen. Der radikale Antibolschewismus, der nach der Russischen Revolution 1917 in vielen europäischen Eliten verbreitet war, verband die NSDAP mit konservativen Kreisen im Ausland.
Gleichzeitig griff die Partei auf rassistische und antisemitische Theorien zurück, die international kursierten, unter anderem in Teilen Frankreichs, Großbritanniens und der USA. Diese ideologischen Bezüge bedeuteten jedoch noch keine festen politischen Allianzen, sondern bildeten zunächst ein transnationales Ideennetzwerk.
Frühe Kontakte und begrenzte Bedeutung (1919–1923)
In den ersten Jahren war die NSDAP eine regionale Splitterpartei in Bayern. Internationale Kontakte waren selten und meist informell. Die Aufmerksamkeit ausländischer Beobachter richtete sich eher auf die instabile Weimarer Republik insgesamt als auf die kleine Münchner Bewegung. Während des gescheiterten Putschversuchs 1923 stand Hitler zwar im Austausch mit nationalistischen Kreisen in Österreich, doch handelte es sich dabei nicht um staatliche Unterstützung. Einige völkische Aktivisten pflegten Verbindungen zu rechtsextremen Gruppen in Österreich und Südtirol. Auch Kontakte zu deutsch-nationalen Kreisen im Sudetenland und in Danzig existierten. Diese Netzwerke bewegten sich jedoch im Bereich nationalistischer Solidarität, nicht in formellen parteipolitischen Bündnissen. Staatliche Stellen im Ausland hielten Distanz; die NSDAP galt als radikale Randerscheinung.
Annäherungen in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre
Nach dem gescheiterten Putsch und Hitlers Haft wandelte sich die Strategie der Partei. Sie setzte nun auf den „legalen Weg“ zur Macht. In dieser Phase begann auch ein vorsichtiger Ausbau internationaler Kontakte. Die NSDAP beobachtete aufmerksam die Entwicklung des Faschismus in Italien und suchte ideologische Parallelen. Zwar kam es in den 1920er Jahren zu keiner offiziellen Allianz mit der italienischen Regierung, doch die wechselseitige Wahrnehmung nahm zu.
In Großbritannien existierten konservative Kreise, die im Nationalsozialismus vor allem ein Bollwerk gegen den Kommunismus sahen. Einzelne Industrielle und Publizisten äußerten Sympathien, ohne jedoch offen Partei zu ergreifen. Auch in den USA berichteten deutschstämmige Organisationen über die NSDAP, teilweise mit Wohlwollen, insbesondere wegen ihrer antikommunistischen und nationalistischen Programmatik. Gleichzeitig blieb Skepsis verbreitet. Die diplomatischen Vertretungen Frankreichs und Großbritanniens beobachteten die Partei mit Misstrauen. Ihre aggressive Revisionspolitik gegenüber dem Versailler Vertrag ließ Zweifel an ihrer außenpolitischen Berechenbarkeit aufkommen.
Unterstützungsmotive und wachsende internationale Aufmerksamkeit (1929–1932)
Mit der Weltwirtschaftskrise 1929 änderte sich die Lage grundlegend. Die NSDAP wurde zur Massenpartei. Diese Entwicklung blieb im Ausland nicht unbemerkt. In konservativen und wirtschaftsliberalen Kreisen Großbritanniens und der USA wuchs das Interesse an der Frage, ob eine starke nationalistische Regierung in Berlin Stabilität schaffen und zugleich den Kommunismus eindämmen könne. Einige ausländische Industrielle und Finanzkreise hofften, dass eine von Hitler geführte Regierung die deutsche Wirtschaft konsolidieren würde. Die Erwartung war, dass ein autoritäres Regime Streiks unterdrücken, linke Bewegungen zerschlagen und eine berechenbare Wirtschaftspolitik betreiben könnte. Diese Hoffnungen führten nicht zu einer offiziellen staatlichen Unterstützung, wohl aber zu punktuellen Kontakten und positiven Stellungnahmen.
Auch in den USA fand Hitler Freunde. In München in der Parteizentrale der NSDAP empfing er 1931 die »Detroit News«. Ein Ölporträt im „Braunen Haus“ zeigte Henry Ford, den Detroiter Autofabrikant. „Ich betrachte Henry Ford als meine Inspiration“ erklärte Hitler der US-amerikanischen Leserschaft.
Ernst Hanfstaengl, ein deutsch/US-amerikanischer Geschäftsmann, war finanzieller Unterstützer und Freund Hitlers in den 1920er Jahren, dann Auslands-Pressechef der NSDAP in den 1930er Jahren. 1934 trat er an der „Universität Harvard“ auf, was zu Protesten führte. Auf dem Titelblatt der „Reclams Universum“ stand: „Herzlich aufgenommen in den USA. Dr. Hanfstaengel, der Auslandspressechef der NSDAP (...)“. An Henry Fords 75. Geburtstag verlas der deutsche Botschafter eine Laudatio von Hitler und Ford bekam das „Großkreuz des Deutschen Adlerordens“ verliehen: Die Ehrung „ausländischer Staatsangehöriger die sich um das Deutsche Reich verdient gemacht“ hätten. Vor ihm waren u.a. Benito Mussolini (Italien), General Francisco Franco (Spanien), Ion Antonescu (Rumänien), Miklós (Nikolaus) Horthy (Ungarn) oder Zar Boris III. (Bulgarien) ausgezeichnet worden. In Italien beobachtete Mussolini den Aufstieg Hitlers mit Interesse. Der Erfolg einer ideologisch verwandten Bewegung in Deutschland konnte als Bestätigung des eigenen Systems gelten. Dennoch blieb das Verhältnis ambivalent, da Italien eigene machtpolitische Interessen verfolgte, insbesondere in Österreich.
Verspätete Führertage in Italien
Erst deutlich später, im Mai 1938, besuchte Hitler den „Duce“ Benito Mussolini. Zum einzigen offiziellen Staatsbesuch seiner Herrschaft fuhr Hitler mit dem Zug. Im Zentrum des Besuchs stand Rom. Hitler, als Gast des italienischen Staatsoberhauptes, des italienischen Königs und Kaisers von Abessinien Vittorio Emanuele III., fuhr mit einer vierspännigen Kutsche durch die Stadt und zog über die „Via del Impero“ in die Stadt ein. Der „Führer“ wurde in Italien mit Militärparaden, Manövern und Museen beeindruckt, die Inszenierung verknüpfte die Cäsaren mit dem Faschismus als legitimen Erben. Sein erster und letzter Besuch beeindruckt offenbar: Die megalomane Planung von „Germania“ als Hauptstadt eines großdeutschen Reichs versuchte antike Größe mit faschistischer Modernität zu kombinieren.
Treffen, Reisen und symbolische Kontakte
Zwischen 1919 und 1932 unternahm Hitler nur wenige Auslandsreisen. Seine politische Tätigkeit konzentrierte sich auf Deutschland. Dennoch gab es Kontakte zu ausländischen Journalisten, Diplomaten und politischen Beobachtern, die Interviews führten oder Gespräche suchten. Solche Begegnungen dienten der Selbstdarstellung der NSDAP als politische Kraft. Internationale Presseberichte trugen dazu bei, das Bild Hitlers im Ausland zu prägen – teils alarmierend, teils verharmlosend. Insgesamt wandelte sich die Haltung des Auslands gegenüber der NSDAP deutlich. Anfang der 1920er Jahre wurde sie als regionale, radikale Bewegung abgetan. Mit ihrem Wahlerfolg ab 1930 wurde sie zu einem Faktor europäischer Politik. Nach der Machtübernahme war die Außenpolitik von Friedensbeteuerungen begleitet.
Ein im Juli 1933 unterzeichnetes Konkordat zwischen dem „Deutschen Reich“ und dem Vatikan ließ den NS-Staat seine Kirchenfeindlichkeit kaschieren. Während die Nachbarländer zwar skeptisch oder ablehnend blieben, brachen sie dennoch nie die diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen ab – sie versuchten eher, durch neue Verträge das „Deutsche Reich“ positiv zu stimmen. So schlossen Deutschland und Polen 1934 einen Nichtangriffspakt, mit Großbritannien wurde 1935 ein neues Flottenabkommen hergestellt. 1936 folgten die Bündnisse mit den faschistischen Ländern Italien und Japan und 1939 dann der Hitler-Stalin-Pakt. Großereignisse wie die Olympischen Spiele 1936 sorgten für weltweite Aufmerksamkeit und Anerkennung für das „Deutsche Reich“.
Erst der Angriff auf Polen im Jahr 1939 sollte die internationale Akzeptanz nachhaltig verändern.