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Göttingen: Aktion gegen "Landsmannschaft Ostpreußen"

Einleitung

Am 1. September, dem Internationalen Antikriegstag, führte die ultra-rechte "Landsmannschaft Ostpreussen" (LMO) eine sogenannte Ehrenmalfeier im Göttinger Rosengarten durch. 

LMO Göttingen
(Faksimile "Das Ostpreußenblatt", 19.9.1992, Folge 38, S. 20)

Dr. Jürgen Danowski aus dem Bundesvorstand der LO und der JLO bei seiner Rede 1992 in Göttingen.

Die "Landsmannschaft Ostpreussen" (LMO) ist eine der wichtigsten Vertriebenenorganisationen, gibt mit dem "Das Ostpreußenblatt" eine zentrale und nach eigenen Angaben die größte Publikation in diesem Bereich heraus und arbeitet an der Geschichtsfälschung mit starken rassistischen sowie nationalistischen Tendenzen, um ihren Anspruch auf die »deutschen Ostgebiete« durchzusetzen. 

Rechte Töne mit staatlicher Unterstützung

Auf der Veranstaltung waren die CDU-PolitikerInnen Rita Süssmuth (Bundestags-Präsidentin) als Schirmherrin sowie Alfred Dregger als Hauptredner anwesend und zeigten damit die staatliche Unterstützung dieser Organisation.

Als 1992 die "40. Ehrenmalfeier in Göttingen" stattfand berichtete "Das Ostpreußenblatt" unter der Überschrift "In der Pflicht für Heimat und Volk" begeistert: 

"(...)Besonders gedenken wir an dieser Stelle derer, die in treuer Pflichterfüllung als Soldaten in einen - trotz aller Glorifizierung in vergangenen Zeiten - unvorstellbar schweren Tod gehen mußten. Sie haben diesen Tod auf sich genommen in dem Bewußtsein der Verantwortung für ihre Angehörigen, für ihre Heimat und für ihr Volk, also auch für uns. (...) Mit diesen eindrucksvollen Worten faßte das LO-Bundesvorstandsmitglied, Dr. Jürgen Danowski, die Bedeutung der Veranstaltung zusammen, deretwegen wieder über eintausend Landsleute aus nah und fern nach Göttingen gekommen waren: die 40. Ehrenmalfeier der LO-Kreisgruppe Göttingen im Zusammenwirken mit dem Kuratorium Soldaten-Ehrenmal Göttingen (...) unverantwortlich sei die Verwendung des Begriffes Ostdeutschland für die mitteldeutschen Bundesländer (...) Es sei sowohl geographisch als auch historisch unverantwortlich und schlichtweg unzutreffend, Ostdeutschland nach der Anerkennung der deutsch-polnischen Grenze an Oder und Neiße nach Westen zu verlegen (...)" 

Der Redner Danowski war damals auch Vorstandsmitglied der LMO-Jugendorganisation "Junge Landsmannschaft Ostpreußen" (JLO) gewesen.

Auch damals schon wurden die rechten Revanchisten laut ihrer Zeitschrift politisch bestens unterstützt: 

"(...) Zuvor entbot LO-Kreisgruppenvorsitzender Alfred Wermke seinen herzlichen Willkommensgruß. Insbesondere konnte er die Erste Bürgermeisterin, Dr. Edith Scheithauer, den Generalsekretär der niedersächsischen CDU, Hartwig Fischer, und den Hausherrn des Rosengartens, den Vorsitzenden der CDU-Stadtratsfraktion, Werner Freiberg, begrüßen. Mit besonderem Beifall wurden 46 Landsleute aus dem südlichen Ostpreußen bedacht, die unter der Leitung von Hildegunde Butrym die Deutsche Gesellschaft „Elch" repräsentierten. Sodann verlas Wermke das Grußwort des bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Max Streibl, dem Schirmherrn der Feierstunde, und eine Grußbotschaft der Bundestagspräsidentin, Rita Süßmuth (...) Zahlreiche Danksagungen beinhalteten das Grußwort von Hermann-Christian Thomasius, Vorsitzender des Kuratoriums Soldaten-Ehrenmal Göttingen. So dankte er der Stadt Göttingen für die Anlegung der Gedenkstätte im Rosengarten vor 40 Jahren ebenso wie der LO-Kreisgruppe Göttingen für die jährliche Ausgestaltung der Feierstunde. Die hilfreiche Unterstützung durch die Polizei fand gleichfalls lobende Erwähnung (...)".

Das Kuratorium „Soldaten-Ehrenmal Göttingen“ ist gemeinsam mit (neo)faschistischen Gruppen wie "Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger des Eisernen Kreuzes und Träger vom Militär-Verdienst-Kreuz e.V." und "Der Stahlhelm-Kampfbund für Europa" Mitglied im „Ring Deutscher Soldatenverbände“ (RDS) organisiert. 

Von der "Wehrmacht" bis zum BdV...

Der Kuratorium-Vorsitzende Hermann Christian Thomasius war laut Berichten aus LMO-Kreisen in der Wehrmacht Bataillonskommandeur eines Jägerbataillons ("Jäger-Btl. Theodor Körner") in der "Armee Wenck". Später wurde der "Ritterkreuz-Träger" Vorsitzender des BdV Kreisverbandes Soltau-Fallingbostel und für drei Jahre Vorsitzender im BdV-Landesverband Niedersachsen. Er war zusätzlich Vorsitzender der "ehemaligen Ost- und Westpreußischen Veteranenverbände" der Wehrmacht. Die "Landsmannschaft Ostpreußen" verlieh ihm 1996 das "Goldene Ehrenzeichen". Er gilt als einer der zentralen Organisatoren der Göttinger "Ehrenmalfeier". Nachdem Göttingen als Standort für ein "Ehrenmal der ost- und westpreußischen Wehrmachtsverbände" wegen zahlreicher antifaschistischer Aktionen und Proteste aufgegeben wurde, organisierte Hermann Christian Thomasius ein neues Ehrenmal in München-Oberschleißheim. 

Polizei verhindert Antifa Protest

Etwa 250 Antifaschistinnen folgten dem Aufruf von verschiedenen Gruppen u.a. aus Göttingen, Braunschweig und Northeim und versuchten dieses militärische und revisionistische Heldenspektakel zu verhindern bzw. behindern. Zunächst wurde mit Trillerpfeifen und Musikbeschallung akkustisch gestört, bevor dann einige Leute versuchten zum Ort der Veranstaltung zu gelangen. 

Das massive Polizeiaufgebot ging brutal gegen die AntifaschistInnen vor. Mindestens zehn DemonstrantInnen wurden durch Schlagstöcke und Hundebisse z.T. erheblich verletzt. Ein Schlagstock zerbrach auf dem Kopf einer Frau. Mindestens eine Person wurde festgenommen. Die Göttinger Kripo ermittelt nun sogar gegen Beamte der in Göttingen neu stationierten Bereitschaftspolizei wegen Körperverletzung und gefährlicher Körperverletzung.

Dieser überzogene Einsatz hat nun Folgen, da auf den Antrag der Fraktion "Bündnis 90/Die Grünen" eine "aktuelle Stunde" im niedersächsischen Landtag zu den Vorfällen stattfand. In dieser wurde starke Kritik der Bündnis 90/Grünen und der SPD an der Teilnahme der CDU-PolitikerInnen an dieser Veranstaltung deutlich. Die CDU hatte keinerlei Interesse sich zu distanzieren und bezeichnete die GegendemonstrantInnen als »Autonome, die eine gesellschaftsfeindliche Vereinigung« darstellen würden.