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Which side are you fighting for?

oireszene blog (Gastbeitrag)
Einleitung

Im Frühjahr 2009 entstand der Blog oireszene.wordpress.com. Dieser versucht einen aktuellen »Lagebericht« zur Skinheadszene (und darüber hinaus) zu erstellen. Vor allem schaut man Bands, Skinheadcrews, Kneipen und Veranstaltungsorte der sogenannten »Grauzone« genauer an.

Bereits seit einigen Jahren befassen sich Skinheads aus dem Sharp-Umfeld und Redskins mit dem Thema »Grauzone« in der eigenen Subkultur. Als »Grauzone« wird der Teil der Skinheadszene betitelt, der keine Berührungsängste mit der extremen Rechten hat. Meist bezeichnen sich diese Skins als »unpolitisch«, wobei die Übergänge zu »patriotisch« bis hin zu »nationalistisch« fließend sind. So identifizieren sich in den letzten Jahren wieder vermehrt Skinheads mit dem Spruch »Neither red nor racist« und legen das »Good night white pride«-Logo ab (häufig ersetzt durch das totalitaristische »Good night any side«). Allein diese Gleichsetzung von linker und rechter Politik ist mehr als kritikwürdig. Dennoch spiegelt sie lediglich die in vielen Köpfen verbreitete Extremismustheorie wieder.

Trotz der Absage an linke Inhalte, benutzt die Szene (ursprünglich) linke Veranstaltungsorte für ihre Konzerte und Kneipenabende. Dieser Widerspruch wird weder in der »unpolitischen« Skinheadszene, noch in linken Kreisen thematisiert. Zum Beispiel die Band »Schusterjungs«. Sie tritt in extrem rechten Locations wie dem »Skinhaus Menfis« in Thüringen und der mittlerweile geschlossenen Blood & Honour-Kneipe »De Kastelein« in Brügge (mittlerweile hat sich mit der »Moloko Bar« ein Nachfolger gefunden) auf. Wenig später spielen sie dann im Berliner »Kato« und in etlichen Alternativen Jugendzentren.

Wirklich thematisiert wurde diese Problematik erstmals durch das »Rote Hetzpamphlet«. Den Herausgebern ist es gelungen der Band »Stomper 98« Verstrickungen in die extrem rechte Szene nachzuweisen. Trotz langer Diskussion mit dem »Conne Island« (Leipzig) durfte die Band letztlich doch auftreten.

Vor allem diese Uneinsichtigkeit gab Anlass dazu, das Thema »Grauzone« auch außerhalb der eigenen Subkultur zu thematisieren. Bisher wurden Informationen lediglich in geschlossenen Foren gesammelt und somit nur einem kleinen Kreis zugänglich gemacht. Es entstand das Projekt  pipowitcz.wordpress.com, welches die Informationen bündelte und gleich mehreren Bands Verbindungen zur extremen Rechten nachweisen konnte. Daraufhin folgte eine große und laute Diskussion. Neben Lob und viel Kritik, kam es vor allem aber zu Beschimpfungen und Bedrohungen. Dies ging soweit, dass sich eine Band mit dem Namen »Grauzone« formierte und T-Shirts mit der Aufschrift »Grauzone – ich wurde abgestempelt« gedruckt wurden. Auf Bildern wurde Pipowitcz zum Abschuss freigegeben.

Mit oireszene.wordpress.com ging nun ein größeres Portal online, dass es sich zur Aufgabe gemacht hat, die aktuelle Entwicklung in der »deutschen« Skinheadszene zu dokumentieren. Nicht nur die Grauzone, sondern ebenso Aktivitäten der Neonazi-Skins werden behandelt. In Ergänzung zu turnitdown.de richten wir unseren Fokus auf die Skinhead-Subkultur. Bezogen auf die »Grauzone« hegen wir nicht den Anspruch die Wahrheit gepachtet zu haben. Wir geben lediglich Infos die wir über die Bands eingeholt haben wieder. Diese beziehen sich auf eigene Erfahrungen, längere Diskussionen, Recherche und dem ein oder anderen missglückten Plattenkauf und Konzertbesuch. Konzertveranstalter bekommen so die Möglichkeit sich über Bands zu informieren.

Damit soll eine Diskussion in der Szene (aber auch außerhalb) anschoben werden, bei der sich Jede_r irgendwann entscheiden muss auf welche Seite sie/er steht. Antifaschismus muss wieder existenzieller Bestandteil der Szene werden. Toleranz gegenüber rechtsoffenen bis klar rechten Konzertbesucher_innen hat in der Szene keine Platz. Ganz nach dem Motto »getroffene Hunde bellen« kam aus dem Lager der Grauzone bis jetzt aber nur die Behauptung, im Projekt wären »linke Demagogen«, »Linksfaschisten« u.ä. Selbstreflexion sieht anders aus.

Aber es gibt auch positive Entwicklungen. Berliner DJ(ane)s der Skinheadszene arbeiten an einem gemeinsamen Vorgehen gegen Grauzone-Publikum und auch in Teilen der Subkultur ist die Diskussion angekommen. Diese Sensibilisierung führt zu eigenständigen Aktivitäten. Konzerte und Vorträge mit einem antifaschistischen Statement werden organisiert und in Kürze erscheint ein neues Papier zum Thema. Darüber hinaus entsteht gerade ein neuer Wiki und Festivals wie das »Siempre-Antifascista« im »Clash« (Berlin) setzen eindeutige Zeichen.


Kontakt:
oireszene.wordpress.com