Skandinavien: Neonazi „Active Clubs“
Garm (Schweden) und Redox (Dänemark)
Zwei Brøndby Hooligans mit nacktem Oberkörper verabschieden sich nach dem „Active Club Dänemark“- Training von dem ACDK-Aktivisten Henrik N.
„Aktiv Klubb Sverige“
Der „Aktiv Klubb Sverige“ wurde am 6. Juni 2023, dem schwedischen Nationalfeiertag, offiziell gegründet. Das Konzept der „Active Clubs“ hatte aber schon vorher seinen Weg ins Land gefunden. Verschiedene kleinere Gruppen der extremen Rechten hatten wesentliche Inhalte der aus den USA stammenden Bewegung übernommen. Die „White Boys“ aus Stockholm und der „Active Club“ Hälsingland im Norden von Schweden sind die bekanntesten unter ihnen. Viele „Active Club“ Gründungsmitglieder_innen blicken auf eine Vergangenheit in der Neonazi-Struktur „Nordischen Widerstandsbewegung“ („Nordiska Motståndsrörelsen“, NMR) zurück.
Vom „Fight Club“ zum „Active Club“
Interne Konflikte führten 2019 zu einer Spaltung innerhalb der „Nordischen Widerstandsbewegung“ (NMR). In folge dessen verließen verschiedene prominente Mitglieder den NMR und schlossen sich der neu gegründeten „Nordische Stärke“ („Nordisk Styrka“) an. Viele jüngere Neonazis machten den Wechsel mit, suchten aber bald nach neuen Strukturen und Netzwerken. Schließlich wurde ein „White Boys Fight Club“ ins Leben gerufen. Der „White Boys Fight Club“ entwickelte sich schnell zu einem Anziehungspunkt in der Szene und wurde später der Ausgangspunkt für die Gründung von „Active Club“ Schweden. Bis heute haben die „White Boys“ eine zentrale Rolle innerhalb der „Active Clubs“ und alle neuen Gruppen müssen von ihnen grünes Licht bekommen.
Der „Active Club“ Schweden verzeichnete markanten Zuwachs und Ableger gründeten sich im ganzen Land, vom südschwedischen Skåne bis in den Norden in Hälsingland. Es bestehen mittlerweile internationale Kontakte und regelmäßig werden Neonazi-Kampfsportturniere und Demonstrationen im Ausland besucht.
Eine Spur der Gewalt
Mehrere Vorfälle zeigten, dass Anhänger der „Active Clubs“ Gewalt nicht nur propagieren und trainieren, sondern auch gewillt waren diese anzuwenden. Zwei „Active Club“ Anhänger mussten sich im April 2025 vor Gericht verantworten. Aufgrund eines internen Konfliktes sollen sie einen anderen Neonazi schwer misshandelt haben. Die beiden angeklagten Neonazis wurden zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt. Ein weiterer Mittäter konnte bisher nicht identifiziert werden. Während des Verfahrens konnten sich die Angeklagten auf die Unterstützung von bis zu 20 Unterstützer_innen vor Gericht verlassen. Während die Verurteilten auf den Strafantritt warteten, zogen vier weitere Anhänger des „Active Club“ im August 2025 in einer Gewaltorgie durch Stockholm. Wahllos griffen sie an verschiedenen Orten der Hauptstadt Menschen mit Migrationshintergrund an und verletzten mehrere von ihnen. Die Männer wurden mittlerweile zu Haftstrafen zwischen drei und dreieinhalb Jahren verurteilt. Drei der Angeklagten gehören den „White Boys“ an, der Vierte ist beim „Aktive Club“ Västra Götaland aktiv gewesen.
Mit der Zeit zogen die „Active Club“ Gruppen auch das Interesse der schwedischen Sicherheitsbehörden auf sich und als Folge wurde eine der zentralen Figuren der „White Boys“ aus Schweden ausgewiesen. Die Möglichkeit bestand, da er estländischer Staatsbürger ist und erst als Kind nach Schweden gekommen war.
Die Urteile und die folgende gesellschaftliche Debatte ließ auch viele Gruppen der extremen Rechten auf Distanz zu den „Active Clubs“ gehen. Bemängelt wurde, dass die Strategie von nicht provozierter Gewalt gegen Migrant_Innen bereits in den 1990er Jahren verfolgt worden war und sich als „uneffektiv“ erwiesen habe.
Dan Eriksson und Magnus Söderman, einflussreiche Personen der „Freien Schweden”, verurteilten die Strategie der „Active Clubs“ als kontraproduktiv. Der amerikanische Gründer der „Active Club“-Bewegung, Robert „Rob“ Rundo, und zentrale Mitglieder der „Nordischen Widerstandsbewegung“ stellten sich hinter den „Active Club Sweden“.
Ein Ministersohn in AKS-Kreisen?
Am 1. Juli 2025 sorgte eine Veröffentlichung der schwedischen Zeitungen „Expo“ und „Expressen“ in Schweden für Furore. Eine Person, die einem Minister der Regierung nahe steht, soll in extrem rechten Kreisen organisiert sein. In den ersten Berichten wurden zwar keine Namen genannt, doch auch die „AFA Stockholm“ hatte diese Person nach eigenen Angaben bereits im Blick gehabt und veröffentlichte eine entsprechende Recherche mit den weiteren Hintergründen auf der website antifa.st.
Demnach soll es sich bei dem jungen Neonazi um Gustav F. handeln. Sein Vater sei führendes Mitglied der schwedischen Regierung und für Fragen der Integration zuständig. Laut „AFA Stockholm“ stellt sich der Sachverhalt folgend dar: Gustav F. geriet über die Kreise um die Organisation „Det fria Sverige“ (DFS) ins Neonazimilieu. Die Aktivitäten von Gutav F. in der extremen Rechten hörten aber nicht bei DFS auf. Später sei er auch beim schwedischen „Aktiv Klubb Sverige“ (AKS) auffällig geworden. Womöglich liegt Gustav F. mit seinem Engagement inhaltlich gar nicht so weit weg von seinem Vater aus der Regierung, obwohl dieser in einem Statement seine Distanz zur extremen Rechten betont. Der Vater von Gustav F. erklärte Ende Mai 2025 einer deutschen Zeitung: „Wir wurden mit dem klaren Auftrag der schwedischen Bevölkerung gewählt, die Zuwanderung in den Griff zu bekommen (...) Wir treiben einen Paradigmenwechsel voran, der darin besteht, die Zahl der Asylbewerber zu senken.“
Kein erfolgreicher Neustart in Salem
Am 6. Dezember 2025 versuchte die „Nordische Widerstandsbewegung“ (NMR) den größten Neonazimarsch in Skandinavien wiederzubeleben. In den Jahren 2000 bis 2010 versammelten sich in Spitzenzeiten 2000 Neonazis im südlich von Stockholm gelegenen Salem. Es gelang dem NMR aber aktuell nicht mehr breite Unterstützung der Szene zu finden und nur wenige Gruppen mobilisierten. Gleichzeitig fand im finnischen Helsinki eine Neonazidemonstration mit circa 700 Teilnehmenden statt. Die jährlich am finnischen Unabhängigkeitstag stattfindende Demonstration ist normalerweise auch ein Reiseziel von NMR Kadern. Statt der in Salem angemeldeten 2000 (!) fanden sich nur circa 300 Neonazis ein. Darunter Neonazis der „Active Clubs“ Schweden. Ein Blockadeversuch von einigen Hundert Antifaschist_innen wurde von der Polizei mit Gewalt unterbunden.
„Active Club Denmark“
Besonders gute Kontakte des AKS bestehen zu „Active Clubs“ im benachbarten Dänemark. Im Vergleich zu den schwedischen Neonazis sind die dänischen „Active Clubs“ in der Entwicklung und Durchführung von Aktivitäten weitaus schwächer aufgestellt. Es gibt aber durchaus einen Zulauf und die Strukturen wachsen langsam.
Das antifaschistische Recherchekollektiv Redox hat die „Active Club“ Strukturen mittlerweile öffentlich gemacht. Der „Active Club Dänemark“ (ACDK) trat das erste Mal 2023 mit Telegram Postings in Erscheinung. Es gab periodische Aktivitäten auf der Insel Fyn und dem Festland Jylland. Aber Kopenhagen und Umgebung ist das einzige Gebiet, wo kontinuierlich Aktivitäten und Zuwachs zu verzeichnen sind. Bisher liegt der Schwerpunkt auf Internetpräsenz, Aufkleber verkleben und gemeinsamen Training.
Dass die „Active Club“ Gruppen in Dänemark noch nicht gewalttätig in Erscheinung getreten sind, bedeutet nicht, dass Sie harmlos sind. Es wurde wöchentlich Kampfsport in einer städtischen Sporthalle in Gladsaxe trainiert, die meistens Jacob René H. anmietete. Laut Beobachtungen von Redox dürfte außerdem Henrik N., der früher in den Kreisen der „Generation Identitær“ aktiv war, eine wichtige Rolle in diesem Netzwerk spielen.
Beim Training waren einzelne Hooligans der beiden Kopenhagener Fussballclubs involviert. Am Anfang war es ein Hooligan aus dem Umfeld des FC Kopenhagen der das Training zeitweilig unterstützte. Später waren Hooligans von Brøndby IF in die Trainings involviert.
Auch die dänischen „Aktive Club“-Aktivisten pflegen internationale Kontakte und reisen zu auswärtigen Neonazi-Demonstrationen und Kampfsport-Events. So wurde u.a. der polnische „Nationalmarsch“ im November 2025 besucht. Im März 2025 war eine kleinere dänische Delegation zu einer Demonstration des „Der III. Weg“ nach Berlin-Hellersdorf angereist.
Fazit
Die schwedischen „Active Clubs“ stehen unter massivem Druck. Antifaschist_innen haben große Teile ihrer Strukturen offen gelegt und einige Anhänger_innen sitzen im Gefängnis. Gleichzeitig ist die Solidarität für sie in der extremen Rechten eher auf Sparflamme geblieben. Auch in Dänemark stellt sich die Situation schwierig für sie dar. Die Gruppen sind noch kleiner, unerfahrener und die Offenlegung ihrer Strukturen setzen die Gruppen unter Druck.