Neonazi-Feindbild PDS
W.A.W und SS Parolen an einer Berliner PDS-Einrichtung. (Foto: Petra Pau in „Die Einzeltäter“.)
Im Osten der Republik gerät die PDS ins Visier terroristischer Neonazistrukturen. Auf das Haus des Oberbürgermeisterkandidaten von Potsdam, Rolf Kutzmutz, wurde am 27. Dezember 1993 ein Brandanschlag verübt1.
Auch der neu gewählte PDS-Bürgermeister der südbrandenburgischen Kleinstadt Sonnewalde wurde bedroht, Neonazis schickten ein anonymes Schreiben an die Stadt bzw. das Cottbuser Polizeipräsidium, mit Forderung den „Glatzen“ grünes Licht für Angriffe auf das Stadtoberhaupt zu geben.
In Berlin bekannte sich ein »Weißenseer Arischer Widerstand« (WAW) zu Drohbriefen gegen die PDS in Berlin-Weißensee. Doch dabei blieb es nicht - zweimal wurden die Scheiben eingeworfen - zweimal wurde seitdem eingebrochen. Polizeibekannt ist eine Berliner Gruppe des „Weißen Arischen Widerstand“ (WAW), welche die Nazi-Postille "NaturSchutz-Denkzettel" ("NS-Denkzettel") herausgibt2. Der Denkzettel propagierte in seiner Ausgabe Nr. 4 das Konzept kleiner Terrorgruppen und druckte Teile des sog. »Wehrwolf-Konzeptes« ab. Laut Wehrwolf-Konzept sind Gruppen zu bilden, die unabhängig von einander agieren können und nur durch Kontaktpersonen miteinander verbunden sind. In den Ausgaben Nr. 6 und Nr. 7 der Zeitung beziehen sich die Herausgeber, laut Polizeiangaben, auf den „Weißen Arischen Widerstand“. Beobachter der Szene nehmen an, daß sich die Gruppe nach dem Vorbild der schwedischen "Vit Ariskt Mostand" (VAM) organisiert hat. Die VAM ist die am deutlichsten bewaffnetete NS-Gruppe in Westeuropa und hat zahlreiche Überfälle auf ihrem Konto. Im Jahr 1993 demonstrierte sie den Schulterschluss mit dem deutschen NS-Netzwerk und entsandte eine schwarz-vermummte Delegation zum »Rudolf-Heß-Marsch« nach Fulda.
Die (NS-)Denkzettel-Redaktion bestreitet einen Zusammenhang mit den Drohungen gegen das PDS-Büro und erklärte in einem Brief an die 'Berliner Zeitung', dass sie solche lächerliche Drohungen nicht verschicken würden, wenn sie das PDS-Büro für angreifenswert hielten, würden sie auch über die dazugehörigen Mittel verfügen3.
Szene-Kenner gehen davon aus, das die Berliner Neonazis Oliver W. und Marcus B. zum Herausgeberkreis des "NS-Denkzettel" gehören. Unter dem Label "Weißer Arischer Widerstand" sollen sich bereits 1992 die Berliner Neonazis Heiko B. ("Bruno"), Frank L. ("Schmutz"), Holger St. und Marcus B. zusammengefunden haben. Einige gehörten zum Führungspersonal der "Nationalen Alternative" (NA). Bereits Anfang der 1990er reisten Person der NA aus Ostberlin nach Schweden zu Wehrsportcamps.
Foto: Petra Pau in „Die Einzeltäter“.
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Zu Freiheitsstrafen verurteilte das Potsdamer Amtsgericht am 13. Februar 1995 Heiko Groch (18 Jahre, Bauhelfer), Paul Z. (Schüler) und als „Anstifter“ Uwe Wiedenbusch (30 Jahre, Eisenbahnarbeiter).
- 2Nachtrag: Seit der Verhaftung des Berliner Neonazi Marcus Bischoff im September 1994, der als ein (Mit)Herausgeber verdächtigt wurde, sind keine Ausgaben mehr erschienen. 41 Ausgaben waren bei der Durchsuchung gefunden worden.
- 3Zwei Tatverdächtige Neonazis wurden als Versender der Drohbriefe im März 1994 ermittelt. Am 8. Februar 1996 wurde ein Hauptverantwortlicher dieser WAW-Gruppe wegen versuchter Nötigung durch das Berliner Landgericht zu einer Geldstrafe verurteilt.