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Antifas stören Treffen der "Schaumburg-Gesellschaft"

Orangerie Exten
(Bild von Museum.eulenburg - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, wikimedia.org)

Unauffällig hatten sich die AntifaschistInnen bei der am 21. September 1996 in der Extener Orangerie (Orangeriegebäude des Gutes Exten) stattfindenden Herbsttagung der "Schaumburg-Gesellschaft für Dichtung und Frühgeschichtsforschung e. V." unter die illustren Gäste gemischt. Alles lauschte einem Vortrag zu den nordischen Sagen der »Thidrekssaga« und wurden vom Marburger Historiker Peter Schröder über die »Leitbegriffe der deutschen Jugendbewegung in den zwanziger Jahren« aufgeklärt.

Doch dann sorgten die AntifaschistInnen für den Eklat. Sie verteilten Flugblätter, auf denen für die "Schaumburg-Gesellschaft" sehr unangenehme Fragen gestellt wurden: »Wie kommt es, das bekannte Rechtsextremisten wir Manfred Roeder Mitglied in der Gesellschaft sind?« und »Wie geht es an, dass ein ausgewiesener NPD-Mann unter den Gästen weilt?«.

Als eine Art Gastgeber und eine Art Repräsentant der Gesellschaft wurde Dietrich von Blomberg wahrgenommen. Als "Hausherr" der Orangerie in Exten reagierte er ziemlich gereizt und fühlte sich vom Antifa-Flugblatt in gewisser Weise persönlich angegriffen. Er leugnete jedoch, von der politischen Einstellung einiger der anwesenden Gäste gewusst zu haben. Als früherer CDU-Landtagskandidat der Region dürfte bei ihm jedoch eigentlich ein gewisses Maß an politischer Übersicht erwartbar sein. 

Doch unter dem Deckmantel von Germanenkult und Nibelungen-Mythos tummeln sich in der Gefolgschaft des verstorbenen Germanenforschers Heinrich Adolf Ritter (alias Heinz Ritter-Schaumburg; alias Heinz Ritter), auch einige bekannte (extrem) rechte Politfunktionäre. Das weiß mittlerweile wohl sogar der Verfassungsschutz und will laut Presseangaben die "Schaumburg-Gesellschaft" in Zukunft vermehrt unter die Lupe nehmen.

Der NPD-Politiker Wolfgang Gaewert aus Hannover beklagte in der darauf folgenden Nacht die Zerstörung von drei Autoreifen. Gaewert fungiert für die »Vereinigte Länder des Deutschen Ostens« als »Staatsrat für Rechtswesen«. Für die NPD-Jugend »Junge Nationaldemokraten« referierte er bereits vor den Externsteinen. Diese werden in dem völkischen Milieu als ein germanisches Heiligtum gedeutet. SS-Reichsführer Heinrich Himmler gründete 1933 sogar eine "Externstein-Stiftung".

Nachtrag:

Der Verein wurde mittlerweile (2000) aufgelöst. Als Liquidatoren wurden Prof. Dr. Werner Rutz (Göttingen) und Friedrich König (Hessisch Oldendorf) eingesetzt. Als Vorstand wurde bei der Auflösung Andreas Erbslöh (Springe/Eldagsen) benannt.