Burschenschaftliches Bundeswehrseminar in Braunschweig
In Braunschweig fand am 8. September 1996 ein "Bundeswehrseminar" statt. Organisiert wurde das Seminar von der ultra-rechten "Burschenschaft Germania".
Aus dem Europa-NATO-Hauptquarier zur Burschenschaft: Günther Kießling ist mittlerweiler rechter Autor und Publizist.
Burschenschaftliches "Bundeswehrseminar" in Braunschweig
Die "Braunschweiger Burschenschaft Germania" (B! Germania), welche zu den schlagenden Verbindungen zählt, ist zusammen mit ca. 120 Bünden an 40 Universitäten und Hochschulen in Deutschland und Österreich, unter dem Dachverband der "Deutsche Burschenschaft" (DB) organisiert. Die "Germania Braunschweig" hatte 1963/64 und 1995/1996 innerhalb der "Deutschen Burschenschaft" (DB) den Vorsitz und wurde darin nunmehr von der "Burschenschaft Olympia Wien" abgelöst. Den Vorstand des hinter der Burschenschaft stehenden "Altherren-Verband der Braunschweiger Burschenschaft Germania e.V." bilden Reinhard Wetterau (Braunschweig), Andreas Lejeune (Hannover) und Bernhard Faulhaber (Braunschweig).
Die DB bzw. einige der verschiedenen "Germania"-Burschenschaften, haben gute Verbindungen in das Spektrum der »Neuen Rechten« und in manchen Regionen teilweise auch in die Netzwerke des organisierten Neofaschismus. So war bspw. das neonazistische "Deutsche Rechtsbüro" (DRB) aus dem Kreis des Hamburger Neonazianwalts Jürgen Rieger in seiner Anfangszeit über ein Postfach der "Hamburger Burschenschaft Germania" zu erreichen.
Diverse Akteure der "Germania Burschenschaften" vertraten (neu)-rechte Positionen. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, das auf dem Braunschweiger "Germania-Bundeswehrseminar" zwei frühere Bundeswehr-Angehörige und heutige Autoren bzw. Interview-Partner referieren sollten.
Franz Uhle-Wettler war Generalleutnant der Bundeswehr und sieht sich als "Militärschriftsteller". Andere sehen ihn berechtigter Weise eher als Geschichtsrevisionisten an. Einige seiner Texte schrieb Franz Uhle-Wettler unter dem Pseudonym Ulrich Werner. Er scheut(e) sich nicht auch für extrem rechte Blätter zu schreiben oder in neonazistischen Kreisen zu referieren. Bereits 1992 war er in das Kuratorium der damals geplanten „Franz-Schönhuber-Stiftung“ der „Die Republikaner“ gewählt worden. Der frühere Wehrmachts-Leutnant und Bundeswehr-General Günter Kießling war Mitglied der Mitglied der Bonner "Burschenschaft Sugambria" und ist nach der Fusion mehrer Burschenschaften "Alter Herr" der "Bonner Burschenschaft Germania" (B! Germania). Bei der 47. "Studentenhistorikertagung" in Berlin-Schöneberg (Oktober 1987) referierte er zum Thema "Studenten als Verteidiger des Vaterlandes – einst und jetzt." Er publizierte Beiträge für rechte Verlage wie MUT und Arndt. Zum Thema Bundeswehr erklärte der rechten Zeitung "Junge Freiheit"1 im Interview: »Befehl und Gehorsam sind für Streitkräfte unverzichtbar – seit jeher und für alle Zukunft.«
Andere Quellen berichten, das auch der frühere Bundeswehr Generalmajor Gerd Schultze-Rhonhof ein weiterer Referent gewesen sei. Auch er war bereits als Referent und Publizist in ultra-rechten Kreisen tätig.
Neben diesen rechten Ex-Bundeswehr-Referenten sollen auch hochrangige Referenten der Bundeswehr und des Bundestages (ein Mitglied des Verteidigungsausschusses und ein stellvertretender Staatssekretär im Führungsstab der Streitkräfte) vor Ort gewesen sein. Den TagungsteilnehmerInnen sollen, laut Berichten aus Burschenschafts-Netzwerken, die Politiker Wolfgang Schäuble und Hans-Dietrich Genscher sowie der Bundeswehr-Generalinspekteur Hartmut Bagger Grußworte übermittelt haben.
Protest unerwünscht
Wenig verwunderlich, das Protest hier politisch unerwünscht war. Rund 80 AntifaschistInnen waren dem Aufruf des Asta der "Technischen Universität Braunschweig" gefolgt und nahmen an einer Protestkundgebung gegen das Seminar teil. Dabei kam es zu einigen Rangeleien zwischen den AntifaschistInnen und einigen anreisenden SeminarteilnehmerInnen, welche sich gewaltsam den Weg durch die antifaschistische Blockade bahnen wollten. Diese Rangeleien wurden von der Polizei zum Anlass genommen, um mit Tränengas und Schlagstöcken gegen die Antifaschistinnen vorzugehen. 14 Antifas wurden bei dem Polizeieinsatz festgenommen. Die Antifas wurden ED-Behandelt und bis 4.00 Uhr morgens festgehalten.
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(Junge Freiheit, 17/95)