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Wernigerode: Auto Angriff auf linken Jugendlichen

Einleitung

Die Wernigeröder Neonazis sorgen weiterhin mit Gewalttaten für Schlagzeilen. Während eines Konzertes im einzigen alternativen Treffpunkt in Wernigerode, der "Kulturbaracke" (KuBa), wurde am 19. Oktober 1996 ein linker Jugendlicher vor dem KuBa angefahren.

FAP Wernigerode
(Bild: Montage mit Faksimile FAP-Propaganda und Foto Wolfi.; CC BY-NC 2.0; flickr.com)

Wernigerode ist eine Hochburg des Neonazismus.

Als mutmaßlich Fahrer soll laut Berichten aus Wernigerode der bekannte Wernigeröder Neonazi Ronny P. von Antifas erkannt worden sein. Ronny P. sei demnach zuerst am KuBa vorbeigefahren, als er vermutlich den antifaschistischen Jugendlichen erkannte. Daraufhin habe er wohl gewendet und sei mit ziemlich hoher Geschwindigkeit Richtung KuBa gefahren. Dort erfasste der von ihm gefahrene PKW den Antifa, der durch den Aufprall schwer verletzt wurde. Ronny P. konnte laut Beobachtern später von der Polizei gestellt werden. Ronny P. gilt als Anhänger von "Blood & Honour".

FAP Hochburg Wernigerode

Ronny P. gehört zu den ehemaligen Aktivisten der "Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei" (FAP) aus Wernigerode. Diese organisierten sich ab 1993 als Wernigeröder "FAP-Kameradschaft" und wurden von der FAP-Funktionärin Sabine Bliesmer (stellv. Landesvorsitzende der FAP-Niedersachsen) betreut. Im Mai 1994 hatte Thorsten Heise, damals niedersächsischer FAP-Landesvorsitzender, daraus den bundesweit größten FAP-Kreisverband aufgebaut. Dieser zählte zu seinen Hochzeiten 80 bis 121 (Landkreis) Mitglieder und bis zu 120 Sympathisanten. Militante Neonazis wie Sebastian F., Henrik M. und Hagen M. gehörten zu den damaligen FAP-Protagonisten. Als die FAP verboten wurde mussten gleich sechs Wohnungen von FAP-Funktionären in Wernigerode durchsucht werden. 

Alltägliche Angriffe

Die Initialzündung für den dynamischen Aufbau der Wernigeröder Neonazi-Szene ist ein von Thorsten Heise organisiertes RechtsRock-Konzert am 25. April 1992 im so genannten Salzbergtal ("Gasthof Salzbergtal"). Über 600 TeilnehmerInnen waren angereist, um RechtsRock-Bands auf einem Konzert zu hören. Bekannte Szene-Band-Namen wie "Stuka" (Bottrop), "Commando Pernot" (Hamburg), "Tonstörung" (Mannheim) und "Kraftschlag" (Itzeho) machen die Runde. Im Anschluss an das Konzert versuchen Neonazis das linke AJZ "Schlachthof" zu stürmen. 

Neonazi-Angriffe und FAP-Veranstaltungen gehörten zum Alltag in Wernigerode. Am 12. Februar 1993 fand in der Diskothek "Center" ein Parteitag der NPD mit 150 TeilnehmerInnen statt. Zeitgleich veranstaltete die FAP ein Regionaltreffen im "Kreiskulturhaus". Anschließend griffen rund 60 Neonazis den linken "Penneclub" mit Waffen an. Am 26. Februar gab es eine FAP-Info-Veranstaltung mit 60 Besuchern in Wernigerode. Thorsten Heise stellte hier das Programm der FAP vor. Am 2. März 1993 drangen FAP-Anhänger in einen linken Jugendclub in Wernigerode ein und versuchten die Mitglieder-Kartei zu rauben. Anschließend legten sie dort Feuer. Im Juli 1993, in zeitlicher Nähe zu einem geplanten FAP-Sonder-Parteitag in Wernigerode, überfielen 30 bewaffnete Neonazis im benachbarten Ilsenburg zwei linke Jugendliche und verletzten diese schwer. Einer schwebte mit einer Schädelfraktur in Lebensgefahr. Der FAP-Sonder-Parteitag mit 150 Teilnehmern wurde nach Reifenstein (Worbis/Thüringen) verlegt, wo eine "Freiheitliche Deutsche Jugendbewegung" für die FAP ein Hotel gemietet hatte. Hier beschimpfte und bedrohte FAP-Chef Friedhelm Busse Polizeibeamte. Am 22. Oktober 1993 liefern sich rund 150 Neonazis und 40 linke Jugendliche eine Straßenschlacht in Wernigerode. Mehrere Polizisten werden verletzt. Am 31. Dezember 1993 randalierten rund 40 FAP-Anhänger und unorganisierte Neonazis auf dem Wernigeröder Marktplatz und griffen Polizisten mit Waffen an. Am 14. Januar 1994 folgte eine FAP-Veranstaltung mit 80 bundesweit angereisten FAP-Aktivisten in einer Gaststätte in Reddeber bei Wernigerode, um sich von Friedhelm Busse und Thorsten Heise auf den kommenden Wahlkampf vorbereiten zu lassen. Anfang Oktober 1994 wird das AJZ "Schlachthof" von 30 Neonazis angezündet. 1995 wird erneut eine linke Feier von Neonazis überfallen. Solche Überfälle werden meistens von größeren Gruppen Neonazis aus Wernigerode begangen. Als mutmaßliche Tatverdächtige für den Überfall 1995 galten u.a. die Neonazis Ronny P., Marcel G., Enrico G., Peter V., Reinhard M., Rene J., Andy D., Sven B., Ronny L., Jens W. und Jörg K.

"Akzeptierende Jugendarbeit"

Nach dem FAP-Verbot organisieren sich viele frühere Akteure um den sog. "Jugendbund e.V.". Als Führungsfigur des im Jugendclub "Harzblick" angesiedelten Vereins, kristallisiert sich Marcel Günther heraus. Die Personen um den "Jugendbund e.V." unterhalten Kontakte zum "Hammerskins"-Netzwerk und zu den deutschen "Blood & Honour"-Kreisen. 

Der "Jugendbund e.V." betreut auch den Proberaum der "vereinseigenen" RechtsRock-Band S.E.K. (»Skinhead Einsatzkommando«) im Jugendclub "Harzblick". Einige Akteure des "Jugendbund e.V." sind zusätzlich unter dem Namen »Radikale Offensive Wernigerode« (ROW) an die SrA-Neonazi-Struktur ("Sozialrevolutionäre Arbei­ter­front") im Ostharz angebunden. 

Der für die Neonazis wichtige  -und vom Jugendamt geförderte- Neonazi-Treffpunkt Jugendclub "Harzblick" in Wernigerode zeigt, wohin schlecht umgesetzte "akzeptierende Jugendarbeit" führen kann. Mit dem Neonazi-Blatt "Der Harzsturm" hat der "Jugendbund e.V." sogar eine eigene Neonazi-Vereins-Publikation.

Im April 1995 feierten rund 100 Neonazis bei einem Konzert von "Doitsche Patrioten" im Wernigeröder Jugendclub. Mit Thorsten Heise und Steffen Hupka waren auch führende Neonazis zu Gast.

Mit dem umgangssprachlich als "Jugendbund e.V." bezeichneten Verein dürfte der offizielle Verein "Jugendbund Wernigerode e.V." gemeint sein. Der "Jugendbund Wernigerode e.V." wurde im September 1994 gegründet. Vorsitzender wurde Marcel Günther (Wernigerode). Sven Schade (Wernigerode) und Rene Bollmann (Benzingerode) wurden seine Stellvertreter.

Der Vereins-Vorsitzender Marcel Günther gilt nicht nur als einer der Herausgeber von "Der Harzsturm", sondern ist als Gitarrist auch selbst ein Band-Mitglied von »Skinhead Einsatzkommando« (S.E.K.).