(Bild: Montage aus Faksimile MAZ 12.1.11 und Foto Keary O.; CC BY-NC-ND 2.0)
NS-Szene | AIB 130 / 1.2021 | 07.05.2021

Brandenburg: AK 47 bei Neonazi gesucht

Aktueller Waffenfund bei einem "alten Bekannten" aus der Neonazi-Terror-Szene der 1990er Jahre.

Razzia bei einem Neonazi in der Prignitz im Nordosten Brandenburgs: Mitte Januar 2021 wurden im Auftrag der Staatsanwaltschaft Neuruppin von Einheiten der Bundespolizei und der Zollfahndung zwei Grundstücke, im Örtchen Berge und in Großbreese, durchsucht. Gefunden und beschlagnahmt wurden Lang- und Kleinkaliberwaffen sowie 6.000 Schuss Munition. Das eigentlich gesuchte AK-47-Gewehr bleibt verschwunden, lediglich dazu passende Munition wurde sichergestellt.

Die Ermittlungen gegen den Beschuldigten Martin Lilge, dem Verstöße gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz vorgeworfen werden, dauern an. Die AK-47 soll Lilge aus der Schweiz besorgt haben. Zu welchem Zweck, ist unbekannt.

Der Beschuldigte ist seit Jahrzehnten in neonazistische Netzwerke eingebunden. Bereits 1994 ermittelte die Generalbundesanwaltschaft gegen Lilge wegen des Verdachts der Bildung einer terroristischen Vereinigung. Mit dem ehemaligen „Wiking Jugend“- und „Heimattreue Deutsche ­Jugend“-Anhänger Gerd Ulrich, einem früheren Weg­gefährten des Rechtsterroristen Peter Naumann, sowie dem späteren NPD‘ler Andreas Theißen und Michael K. soll er damals Erddepots angelegt und Sprengübungen geplant haben. Dieses Verfahren wurde 1996 eingestellt.

Allerdings wurde Lilge in der Folge wegen den Sprengstoffdelikten 1997 in München zu einer Geldstrafe verurteilt. Woher der Sprengstoffvorrat der Gruppe stammte, ist nur zum Teil bekannt. 1992 hatte Lilge in den Wäldern bei Halbe – Schauplatz einer der letzten Schlachten des Zweiten Weltkrieges – alten Sprengstoff mithilfe eines Metallsuchgerätes ausfindig gemacht und ausgegraben.

Zum damals mitbeschuldigten Ulrich hält Lilge weiterhin Kontakt. Pfingsten 2020 war der in Ostwestfalen ansässige Ulrich in der Prignitz zu Gast, wie das Portal „Blick nach Rechts“ meldete.

Auch Lilges Schwester fiel schon im Zusammenhang mit Waffendelikten auf. Bei deren Ehemann Michael Grewe, einem ehemaligen Landtagsfraktionsmitarbeiter der NPD in Mecklenburg-­Vorpommern, der sich mittlerweile im Umfeld des Rockerklubs Bandidos bewegt, wurden 1997 ein Karabiner und eine Uzi-Maschinenpistole gefunden.

2006 wurde indes vom Land Brandenburg die Neonazi-Vereinigung „Schutzbund Deutschland“ verboten. Lilge zählte zum Umfeld dieser NPD-Abspaltung. Zur Gruppe zählte unter anderem auch Maik Eminger, der Zwillingsbruder des NSU-Unterstützers André Eminger.

Lilge, Jahrgang 1969, wurde im baden-­württembergischen Tettnang geboren und lebt seit etwa 2003 in der Prignitz als Silber­schmied und Selbstversorger. Vor Ort war er bislang nicht öffentlich als Neonazi in Erscheinung getreten. Er brachte sich lediglich als Kandidat für lokale Wählergemeinschaften kommunalpolitisch ein.

In der Prignitz gab es zuletzt im Juli 2020 Hausdurchsuchungen gegen Neonazis. Mitgliedern der Kameradschaft „Freie Kräfte Prignitz“ wurde vorgeworfen, einen Anschlag auf eine Moschee geplant zu haben. Unmittelbar nach der Razzia gab die Gruppe per Facebook-Notiz ihre Selbstauf­lösung bekannt.