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Rechts-Rap im bayerischen Hinterland

Recherche Ulm
Einleitung

Am 15. August 2025 fand im bayerischen Teil von Schwaben bei Illertissen ein Konzert des neonazistischen Labels „Neuer Deutscher Standard Records“ (kurz: NDS Records) statt.

Proto NDS
(Bild: Mit Screenshot Instagram)

Die Halle auf dem Bauernhof Vill in Illertissen wo das Konzert stattfand (links) und Instapic von "nds.proto" (rechts) mit (gespiegelten) Selfie der Musiker (hinten im Bild v.l.n.r.: Kai Naggert, Dominik Raupach und „atzemitglatze444“; vorn: Ein „Der III. Weg“ Aktivist.

Das Konzert war der Teil einer „Abschiebe Hauptsaison Tour 2025“ von Kai Naggert als „Proto“ und Dominik Raupach als „Kavalier“. Das Label wurde 2019 von „Chris Ares“ (Christoph Zloch) gegründet. Es war zu nächst an die „Identitäre Bewegung“ (IB) angebunden und ist mit „MaKss Damage“ (Julian Fritsch) aus dem Kreis um „Der III. Weg“ nunmehr im neonazistischen Milieu angekommen.

Der Bürgermeister der angrenzenden Ortschaft Buch gab an, er sei am 6. August 2025 per Mail über eine „private Feier“ informiert worden. Er schaltete nach einer Internetrecherche Polizei bzw. Staatschutz ein. Den beiden Musikern wurde ein Aufenthaltsverbot und Veranstaltungsverbot erteilt, welches vor zwei Gerichten bestand hatte. 

Das Konzert fand dennoch konspirativ statt. Wer ein Ticket für 26,50 Euro erworben hatte, erhielt kurzfristig einen Vortreffpunkt in Baden-Württemberg per Mail: Ein Parkplatz an der L259 südlich von Orsenhausen, nahe der Landesgrenze zu Bayern. Dort trafen sich eine zweistellige Anzahl an Autos und fuhren in das wenige Kilometer entfernte Illertissen. Das Konzert fand in einer Halle auf dem „Bauernhof Vill“ statt und wurde um 21.30 Uhr  von der Polizei aufgelöst. Der Hofbesitzer Andreas Vill teilte am 17. August 2025 auf seinem Instagram-Profil einen Rückblick des Konzertes. Es scheint ihm klar zu sein, wer auf seinem Hof auftrat. 

Die E-Mail mit dem Vortreffpunkt wurde mit offenem CC verschickt. Dort fand sich etwa der Neonazi Arthur Beidin, ehemals „Neue Stärke Partei“ (NSP). Beidin hatte 2022 mehrere Hausdurchsuchungen, u.a. wegen dem Vorwuf der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat. Anwesend waren auch Protagonisten des „Der III. Weg“, die sich mit ihren Profilen in einer Instagram-­Story zu dem Konzert verlinkten. 

Am darauf folgenden Tag war einer der neonazistischen Konzertbesucher auf einer Veranstaltung der AfD Neu-Ulm rund um den AfD-Landtagsabgeordnete Franz Schmid zu beobachten.