Mit „Kontrafunk“ gegen die „Schattenarmee“?
"Stoppt die Rechten" (Wien)Im Dezember 2025 wurde eine „Kontrafunk GmbH“ in Linz mit Geschäftszweig „Hörfunk- und Medienproduktion“ eingetragen. Eigentümerin ist die Schweizer „Kontrafunk AG“, als Alleingeschäftsführer fungiert(e) mit Florian Machl ein alter Bekannter, über dessen Geschäftspraktiken bereits berichtet worden war.1
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stopptdierechten.at: „Stiftung, Krypto, Jobbörse: Wie Report24-Betreiber Florian Machl ein Netz aus Schein-Seriosität knüpft“, 7. November 2025
Ein Sickl-Selfie vom 10. Oktober 2020.
Kontrafunk
Schon vor dieser Neugründung war er als Moderator beim Internetradio „Kontrafunk“ präsent. Über eine „Kontrafunk AG” wurde auch die Denunziations-Website „Ich habe mitgemacht” betrieben, wo Namen derer gesammelt wurden, die sich am „Corona-Unrecht” beteiligt hätten. Einer der Köpfe hinter „Kontrafunk” ist Burkhard Müller-Ullrich, der schon 2017 als AfD-Akteur auffiel. Sein Medienprojekt wurde früh von Björn Höcke, Hans-Georg Maaßen und anderen Szene-Bekannten empfohlen. Die rechte „Hayek-Gesellschaft“ adelte „Kontrafunk“ 2023 mit dem „Hayek-Netzwerkpreis“. Es verwundert kaum, dass „Kontrafunk“ im November 2025 auch bei der rechten Buchmesse „SeitenWechsel“ mit an Bord war.
Die „Kontrafunk“-Anfangsphase war von Intransparenz- und „Briefkasten“-Vorwürfen begleitet: „Blick“ fand am damaligen Schweizer Sitz in Cham „leere Räume“ und wies auf Überschneidungen mit Firmen des rechten Kabarettisten Andreas Thiel hin. 2023 verlegte die „Kontrafunk AG“ ihren Sitz nach Steckborn. Müller-Ullrich erklärte in einem Interview mit der rechten Wochenzeitung „Junge Freiheit“, etwa ein Drittel der Redaktion komme von „Russia Today“ (RT), während er russische Einflussnahme gleichzeitig bestritt. Schweizer Medien berichteten, dass eine mit der Wirtschaftsprüfung beauftragte Treuhandfirma ihr Mandat zurückgelegt habe, weil „die Treuhandfirma trotz Anfragen keine Unterlagen erhalten habe“, ihren Prüfauftrag also nicht erfüllen konnte.
Wie VertreterInnen aus der AfD geben sich auch FPÖ-PolitikerInnen bei „Kontrafunk“ die Klinke in die Hand. „Kontrafunk“ ist abrufbar über die Website, eine eigene App, Youtube, Amazon und Spotify.
Rechte "Antifa Expertenrunde"
Unter Machls Moderation zogen im „Kontrafunk“ ein Schweizer Journalist, der ehemalige deutsche Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen und der Ex-FPÖ-Politiker und „Freilich“-Betreiber Heinrich Sickl kürzlich ihr Fazit über „die Antifa“. Die Sendung liefert erwartbar keine Analyse, sondern ein Handbuch rechter Diskurstechnik. Relevanter ist hierbei eher die Zusammensetzung der „Expertenrunde“. Sickl löste als Geschäftsführer der Eigentümerin des Aula-Nachfolgemagazins „Freilich“, die „Freilich Medien GmbH“ wenige Tage vor Beginn des Prozesses gegen die „Aula“ auf und gründete die „Edition Kontext GmbH“. Als Freilich-Chefredakteur trat Stefan Juritz auf, der im Jahr 2007 gemeinsam mit dem Neonazi-Kader Gottfried Küssel am „Sommercamp“ des neonazistischen „Bund freier Jugend“ (BfJ) teilgenommen hat, im Jahr 2010 wegen des Verdachts auf NS-Wiederbetätigung und schwerer Körperverletzung vor Gericht stand, später als IB-Kader aktiv war und vor seiner Anstellung bei „Freilich“ die identitäre „Tagesstimme“ betrieben hatte, bevor sie mit „Freilich“ fusionierte.
"Schattenarmee" überall
Bei der von Machl moderierten Sendung „Dreiländereck: Die Antifa – Schattenarmee der Linken“ waren zu Gast: Maaßen (Deutschland), der Journalist Ronnie Grob (Schweiz) und Sickl (Österreich). Der Ex-VS-Chef Maaßen bezeichnet die „Antifa“ durchgehend als „Terror- und Knüppeltruppe“. Sickl hat sich hingegen auf unliebsame Journalist_innen eingeschossen und zeigt auf, wie der rechte Diskurs in eine Fantasiewelt abgleitet. sobald journalistische Arbeit am eigenen Milieu unangenehm wird. Wer überall „Schattenarmeen“ halluziniert, muss irgendwann auch Journalist_innen zu Schattenkämpfern erklären.
Den Tiefpunkt erreicht Sickl, als er die Borodajkewycz-Affäre 1965 als „Beginn“ der „Antifa“ in Österreich erzählt, mit „Straßenschlachten“ gegen Polizei und „freiheitliche Studenten“. Das ist pure Geschichtsklitterung. Der zentrale Fakt dieser Affäre, den Sickl nicht einmal erwähnt, lautet: Der Antifaschist Ernst Kirchweger wurde bei einer antifaschistischen Demonstration vom Neonazi Gunther Kümel niedergeschlagen und starb kurz darauf – ein markierender Moment, weil rechte Gewalt das erste politische Todesopfer der Zweiten Republik forderte. Wer daraus eine „Antifa-Straßenschlacht“-Erzählung strickt, betreibt schlicht Täter-Opfer-Umkehr.
Der vielleicht absurdeste österreichische Teil folgt dann bei Machls Selbstentlastung nach rechts: Rechte Gewalt wird als nicht existent erklärt, linke Gewalt hingegen zur allgegenwärtigen Regel. Der Mann, der am lautesten „linke Gewalt“ herbeiredet, kommt aus einem Milieu, in dem Gewalt nie nur Theorie war. In der Sendung dient er als moralischer Schiedsrichter, der anderen „Gewaltbereitschaft“ attestiert, während seine eigene Biografie genau in jener Szene andockte, wo Gewaltbereitschaft strukturell dazugehörte. Sickl war 2018 als Grazer Gemeinderat für die FPÖ angelobt worden, obwohl seine Vergangenheit in der Neonazi-Szene bekannt war. „Eine Jugendsünde“ sei das gewesen, erklärte der Grazer FPÖ-Chefs Mario Eustacchio. Sickl selbst bezeichnete sich als einen, der „auf der Suche war“. Ende 2015 wurde Sickl Obmann des „Freiheitlichen Akademikerverbandes“ (FAV) Steiermark, der bis 2018 Mehrheitseigentümer der neonazistischen „Aula“ war. Zudem war er Vermieter von Räumlichkeiten für die „Identitären“ in Graz und Teilnehmer an einer "Identitären"-Demonstration.
Zur Draufgabe gab es 2018 für Sickl noch so etwas wie einen Todeskuss durch den Neonazi Franz Radl, der Sickl auf Facebook „für sein vorbildhaftes Verhalten und sein humanitäres Engagement“ lobte. Gemeint war eine Kundgebung am 5. Oktober 1991 vor dem Landesgericht Graz für die Freilassung von Franz Radl, der sich wegen des Verdachts der NS-Wiederbetätigung in Untersuchungshaft befunden hatte. An der vom Holocaust-Leugner Gerd Honsik angemeldeten Demonstration nahmen neben Sickl und Honsik auch Gottfried Küssel und einige Dutzend weitere Neonazis teil. Deren Solidarität galt auch den von Radl damals verbreiteten Behauptungen, wonach die Gaskammern in den KZ nur nachträglich eingebaute Attrappen gewesen seien. Bei der Kundgebung wurde das Lied der Hitlerjugend „Es zittern die morschen Knochen“ gesungen – angestimmt augenscheinlich von Küssel und Heinrich Sickl, wie der Polizeibericht vermerkte.
Sickl war damals im Umkreis der „Volkstreuen Jugendoffensive“ tätig, die als Österreich-Ableger der neonazistischen „Nationalistischen Front“ (NF) des Meinolf Schönborn fungierte. Die „Nationalistische Front“ wurde in Deutschland 1992 verboten. Auslöser war ein Polizeieinsatz im Jahr davor, bei der „Gästewoche“ der „Deutschen Kulturgemeinschaft Österreich“ im steirischen Pichl. Die Verhaftung des NF-Vorsitzenden Meinolf Schönborn konnten die VersammlungsteilnehmerInnen verhindern, nicht aber die Beschlagnahmung von NF-Schriften, in denen die Waffen-SS als Vorbild angepriesen wurde. In einem NF-Papier zur Beitragsregelung war vermerkt: „die SS ist auch nicht mit 5,-DM monatlich ausgekommen!“
Das alles interessiert Maaßen nicht, er liefert eine deutsche historische Anti-Antifa-Legende und kramt dafür in der Geschichte. Er landet komplett daneben, als er etwa sagt, der Schöpfer des Antifa-Logos sei „ein linker Bauhaus-Künstler, nämlich Max Gerhard“, gewesen, wobei ihm zu genügen scheint, dass „Gerhard“ irgendwie so klingt wie der reale Name des Grafikers, der Gebhard hieß; dann die in der Weimarer Republik gegründete Antifa, für Maaßen die KPD-„Terrortruppe“ mit Arm zur SPD (wobei ihm das Wort „Terror“ für das Nazi-Regime nie über die Lippen kommt).
Aufgeblasene Geschichten und "Reportagen" über die „Hintermänner“ der Antifa verkaufen sich gut in der extremen Rechten. Wenn Mike Gutsing im Sickl-Magazin das Mantra „finanziert der Staat linksextreme Gewalttäter?“ wiederkäut, verweist er bedeutungsschwanger darauf, was das „Freilich“-Magazin aus Berliner (LKA) „Ermittlerkreisen“ erfahren haben will.1 Schaut man auf die Biografien einiger der Beteiligten erscheint es eher naheliegender, dass hier womöglich ein Neonazi-Anwalt aus der verbotenen „Wiking-Jugend“ seine alten Kontakte nutzte, um polizeiliche Ermittlungsakten von „ Der III. Weg“-Neonazis als investigativen Anti-Antifa-Journalismus zu verkaufen.
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„Skandal um brutalen Antifa-Angriff: Doktorand und Sozialarbeiter angeklagt“ von Mike Gutsing, 19.12.2025