Cottbus: Rückschläge für frühere "Deutsche Alternative"
Der frühere DA-Chef Frank Hübner soll in einen geplanten Auftragsmord verwickelt sein.
"Zum Wassermann" abgebrannt
Am 9. August 1996 brannte der ehemalige Treffpunkt der verbotenen Neonazi-Partei "Deutsche Alternative" (DA), »Zum Wassermann«, im Cottbusser Vorort Groß-Gaglow aus. Das Feuer soll nach Polizeiangaben im hinteren Saal-Bereich der Gaststätte ausgebrochen sein. Die Polizei geht von Brandstiftung aus, da sie angeblich "Drohungen", dass der Treff der DA zerstört werden solle, erhalten habe. Cottbus war eine Hochburg der "Deutschen Alternative" gewesen und konnte hier bis zu 250 Neonazis zu ihren Veranstaltungen mobilisieren. Als Führer galten zuletzt Frank Hübner, Karsten Wolter und René Koswig. Thomas Herfurth war "Schatzmeister" der DA. Regionale DA-Führungskader waren Roman Dannenberg (Sachsen), Arnulf Winfried Priem (Berlin), Michael Petri (Rheinland-Pfalz), Thorsten Schönrock (Niedersachsen), Michael Büttner (Hoyerswerda) und Heiko Spiegel (Finsterwalde). Als Chefredakteurs der DA-Zeitung "Brandenburger Beobachter" galt Frank Mencke.
Hübner macht nach DA Verbot weiter
Der Ex-Vorsitzende der DA, Frank Hübner, stammt aus Cottbus und war nach dem DA-Verbot 1992 weiter aktiv. Seine DA-Ersatz-Struktur "Brandenburgische Volkspartei" (BVP) entwickelte keine relevanten Aktivitäten. 1993 war Hübner in die Cottbuser NPD-Gruppe aktiv und versuchte hier eine Ersatzstruktur zu etablieren. Die zuständigen NPD Führer aus Berlin waren davon aber wenig begeistert. Daraufhin wurde Hübner im Netzwerk der "Deutschen Liga für Volk und Heimat" (DLVH) aktiv und kandidierte für diese für das Amt des Oberbürgermeisters in Cottbus (1.489 Stimmen). Die Bundes-DLVH-Führung versuchte erfolglos zu intervenieren und warf am Ende den verantwortlichen DLVH-Kader Frank Schwerdt (Berlin) aus der Partei.
Hübner war Mitbegründer der "Nationalen Initiative Freiheit für Gottfried Küssel". 1995 wurde er als freier Mitarbeiter von den Neonazi-Zeitungen "Junges Franken" und der "Berlin-Brandenburger Zeitung" (BBZ) benannt. Im selben Jahr referierte Hübner auf einem Leser-Treffen der Zeitung "Staatsbriefe" in Herford (NRW) zum Thema Gründung unauffälliger Bürgerinitiativen durch Neonazis. In Frankfurt/Oder versuchte er 1995 erfolglos einen "Rudolf Heß"-Marsch anzumelden. International pflegt Frank Hübner Kontakte zu russischen und ukrainischen Neonazis in Moskau und Kiew.
Beteiligung an Mordplänen?
Hübner saß jüngst fünf Monate in Haft, wurde aber mittlerweile gegen eine Kaution von 10.000 DM und die Abgabe der Personaldokumente wieder entlassen.
Er ist wegen Beteiligung an der Planung eines Auftragsmordes angeklagt, bestreitet dies, wird aber von dem als Killer ausgesuchten Mann, der für den brandenburgischen Verfassungsschutz arbeiten soll, schwer belastet. Er soll für einen Wiesbadener "Kameraden" den Killer angesprochen haben, um dessen Lebensgefährtin zu töten, damit dieser das Sorgerecht erhält. Für den Mord seien ihm 15.000 Mark in Aussicht gestellt worden. Als Vorauszahlung will er 6.000 Mark erhalten haben. Hübner und sein "Kamerad" sitzen in Untersuchungshaft. Die Frau soll sich 1994 von dem Mann wegen seiner Neonazi-Gesinnung getrennt haben.