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Eisenberg: Jüdischer Friedhof durch FPÖ-Anhänger beschmiert?

Einleitung

Im Oktober 1992 wurden auf dem jüdischen Friedhof in Eisenstadt fast 100 von 120 Grabsteinen mit Hakenkreuzen und »Heil Haider« beschmiert. Die Täter ließen einen Computerausdruck zurück: »Auf diese Weise möchten wir unserem Vorbild Jörg Haider einen arischen Gruß zukommen lassen !« In einem hinterlassenen Flugblatt ist von einer „Rassischsozialistischen Arischen Wiederstandsbewegung“ (sic) die Rede. FPÖ-Chef Jörg Haider beschuldigte »linksextreme Provokateure« der Tat.

Christian Anderle FPÖ
(Bild: Faksimile NEWS 35/96)

Im Juli 1996 nahm die Polizei den 25jährigen Wolfgang Tomsits fest, der gleich Wilhelm Christian Anderle als Haupttäter nannte. Das berichtete die Zeitschrift "NEWS".1 Kurz zuvor hatte eine Anti-Terror-Einheit der Polizei Anderles PC beschlagnahmt. Die Daten auf dem PC sollen zeigen, dass Tomsits und Anderle die Täter von Eisenstadt seien. Als eine Art "politischer Ziehvater" der Tatverdächtigen wurde unter anderem ihr Lehrer und Generalsekretär der "Freiheitliche Partei Österreichs" Karl Schweitzer angesehen.

Karl Schweitzer, der die beiden Neonazis seit 1987 vom Geographie- und Sportunterricht an der Handelsakademie Oberwart kannte, begann im Jahr 1990, als er zum Nationalratsabgeordneten der "Freiheitliche Partei Österreichs" (FPÖ) gewählt wurde, Tomsits und Anderle für die FPÖ anzuwerben. In Stadtschlaining wurde Anderle auf eine FPÖ-Wahlliste platziert. Schweitzer traf die zwei Beschuldigten auch lange nach den Anschlägen und hielt noch mindestens bis zum April 1995 zu ihnen. Als FPÖ-Abgeordneter im "Europäischen Parlament" dürfte er sich keine Sorgen machen in die Ermittlungen hineingezogen zu werden. 

Karl Schweizer leitete in den 1970ern Jahren den "Ring Freiheitlicher Jugend" (RFJ) im Burgenland. Im Dezember 1990 wird der RFJ, der seit Schweizers Obmannzeit kaum aktiv war, für das Burgenland wiederbelebt. Ein Vierteljahr später, am 14. Dezember 1991, wird eine RFJ-Bezirksgruppe im Lokal "Hexenkessel" in Oberwart gegründet. Mit von der Partie sind Tomsits, Anderle und Schweitzer. Bezirksobmann wird Schweitzer, Obmannstellvertreter Tomsits.

Wilhelm Christian Anderle schlug zugleich noch andere Wege ein: Er hat in dem 1993 geschaffenen Neonazi-Thule-Computernetz eine eigene Mailbox (»Dissident BBS«) installiert. Dort benutzt er laut Berichten aus der Szene die Decknamen »Irish« und »Arisk«. »Arisk« verschickt am 10. Mai 1995 Bombenbau-Anleitungen und empfahl »Schulungen zum effektiven Töten«. Anderle soll auch hinter dem Neonazi-Heft "Albus 9/11" (Nachrichten aus dem weißen Widerstand") stehen.

Laut "NEWS" unterhielten Anderle und Tomsits auch intensive Kontakte zum bekannten Neonazi-Kader Franz Radl. 2

Wolfgang Tomsits wurde am 23. Juli 1996 verhaftet. Wilhelm Christian Anderle hat noch im Mai 1996 einer Ladung des Untersuchungsrichters Folge geleistet, um Ende Mai 1996 abzutauchen. Seine Dissident-Mailbox ist seitdem stillgelegt. Es wird vermutet, das Anderle sich in Deutschland, Südafrika oder Skandinavien aufhält. Laut der österreichischen Zeitung "Lotta Dura" hat er im August 1996 einen Brief aus Hannover abgeschickt oder abschicken lassen. Vielleicht wollte er so seinen mutmaßlichen Aufenthalt in Schweden oder Südafrika verschleiern?

  • 1

    (Quelle: NEWS 41/96)

  • 2

    Vgl. "NEWS" 35/1996