»Junge Freiheit« in Nöten?
Das öffentliche Gegreine gehört auf dem Zeitungsmarkt inzwischen fast zum guten Ton. Die "taz" droht mit bzw. - je nach Ansicht - verspricht ihre Einstellung, falls ihr nicht die neuen AbonnentInnen zuströmen, die "Junge Welt" betreibt eine Dauerwerbekampagne, die wenigstens nicht eines gewissen Witzes entbehrt, und nun klagt auch die rechte »Junge Freiheit« heftiger denn je.
Werbe-Aufkleber der rechten Wochenzeitung "Jungen Freiheit"
»Jetzt geht's ums Ganze!« verspricht uns die "Junge Freiheit" (JF) und erläutert, dass sich bis zum Jahresende ein Minus von 450.000 DM angehäuft haben werde und die Zeitung liquidiert werden müsse, wenn nicht bis zum 30. November 1996 ganze 2.500 Abonnenten gewonnen würden.
Die "Junge Freiheit" startete im Mai 1986 in Freiburg im Breisgau als Organ für die Jugendorganisation der REP-Abspaltung "Freiheitlichen Volkspartei" (FVP). 1990 gründeten Dieter Stein und Götz Meidinger die "Junge Freiheit Verlag GmbH". 1994 entstand daraus die "Junge Freiheit Verlag GmbH & Co." Kommanditgesellschaft in Potsdam. An dieser beteiligte sich durch eine hohe finanzielle Einlage der Ingenieur Ulrich Ruth aus Stuttgart. 1995 wurde zusätzlich auch noch die "Junge Freiheit Treuhand GmbH" von Dieter Stein gegründet. Auch die "JUNGE FREIHEIT Verwaltungs- und Beteiligungsgesellschaft mbH" entstand 1995, an die die "Junge Freiheit Verlag GmbH & Co." und die "PROFIT MARKETING Werbeagentur GmbH" von Götz Meidinger aus Stuttgart angebunden sind.
Die aktuelle "Junge Freiheit"-Redaktion (Deutschland) besteht laut Impressum aus Dieter Stein (Chefredaktion), Thorsten Hinz (Politik), Thorsten Thaler (Im Gespräch), Martin Schmidt (Weltpolitik, Nationalitätenfrage, Mitteleuropa, Reisen), Bernd T. Ramb (Wirtschaft), Götz Kubitschek (Sicherheit und Militär), Angelika Willig (Kultur), Gerhard Quast (Natur & Umwelt), Jürgen Mohn (Zeitgeschichte), Patrick Neuhaus (Berlin), Frank Liebermann (Medien), Roland Bubik (Zeitgeist und Lebensart), Hans B. von Sothen (Forum, Kirche, Schlußredaktion) und Jens Falk (Chef vom Dienst). Die "Redaktion Österreich" bilden: Andreas Mölzer (Chefredaktion), Jürgen Hatzenbichler (Politik), Anita Manhardt, Rene Lysander Scheibe und Thomas Clement (Chef vom Dienst).
Probleme oder einfach Dauer-Bettelei?
Am 13. Juni 1996 hatte die "Junge Freiheit" (JF) ihr zehnjähriges Bestehen gefeiert. Glückwünsche kamen u.a. vom Vorstand der ultra-rechten "Staats- und Wirtschaftspolitische Gesellschaft" (SWG) aus Hamburg. Doch mittlerweile scheint es trotz der JF-Firmen-Konstrukte und der wachsenden Anerkennung innerhalb der ("Neuen") Rechten einige Probleme zu geben. Chefredakteur Dieter Stein hat inzwischen einige Getreue seines alten Mitarbeiter-Stamms wie Götz Meidinger, Andreas Molau, Hans-Ulrich Kopp und Ernst Jendra verloren. Mutmaßlich könnte dies mit einem zunehmend "national-liberaleren" Kurs der JF zusammen hängen.
Im ihm wohl gesonnenen Vertriebenen-Organ »Das Ostpreußenblatt« erklärte Dieter Stein zu seinem Zeitungs-Projekt: »Das Ende der JF wäre ein Riesentriumph für das antidemokratische Lager.« Über interne Konflikte oder einen Richtungsstreit wird hier nichts berichtet.
Als wenig werbewirksam schätzt Stein offensichtlich die Beobachtungen des Verfassungsschutzes von NRW ein, der »tatsächliche Anhaltspunkte für den Verdacht rechtsextremistischer Ziele« des Blattes sieht. Die weitere Verbreitung dieser Einschätzung will die JF bzw. die "Junge Freiheit Verlag GmbH & Co." jetzt dem Land NRW durch eine Klage vor dem Verwaltungsgericht untersagen lassen. Juristisch vertreten bei diesem Ansinnen wird das Blatt durch einen seiner "politischen Favoriten", den Vorsitzenden des rechten "Bund Freier Bürger" (BFB), Manfred Brunner. Dieser versucht durch eine 60seitige Klageschrift vor Gericht den juristischen Erfolg zu erzielen, der ihm politisch bis her eher versagt bleibt. Das seine aus JF-Kreisen veröffentlichte und verbreitete Klageschrift eben jene Passagen enthält, die gerade nicht verbreitet werden sollen, erscheint widersprüchlich.
Nachtrag
Bis Ende 1999 gelang es der "Junge Freiheit Verlag GmbH & Co." in Potsdam weitere Personen zur finanziellen Beteiligung zu mobilisieren und den drohenden finanziellen Niedergang aufzuhalten. An dieser JF Kommanditgesellschaft beteiligten sich durch finanzielle Einlagen u.a. der Bonner Neonazi Marcus Spruck (zeitweilig Vorsitzender des NPD-Kreisverbandes Rhein-Sieg), der frühere REP-Funktionär Dr. Robert Nagels, Josef Schüßlburner (Autor in den ultra-rechten "Staatsbriefe"), Helmut Kamphausen aus Gartow (wurde zeitweilig als "Ständiger Mitarbeiter" von "Das Ostpreußenblatt" benannt), Günter Poser (ehemaliger Konteradmiral der Bundesmarine der Bundeswehr und früher stellvertretender Bundesvorsitzender der REPs), der Kieler Thomas Grebien (früher im Vorstand des "Bund Heimattreuer Jugend" bzw. "Die Heimattreue Jugend 1990"), Franz Uhle-Wettler (ehemaliger Generalleutnant der Bundeswehr und Autor in ultra-rechten Publikationen) und Albrecht Giese aus Emmelshausen (Interview-Partner von "wir selbst").