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Stein - Rouhs: Ring frei zur nächsten Runde

Dieter Stein von der "Jungen Freiheit".

Dieter Stein ist Herausgeber der rechten Wochen-Zeitung "Junge Freiheit"

Manchmal hat die Realität einen entschieden höheren Unterhaltungswert als die mediale Vorgaukelung der Realität. In diesem Fall gilt: There's no business like Politik-business. Während mensch Extragebühren zahlen musste, um im Pay-TV den Kampf zwischen den beiden deutschen Halbschwergewichts-Boxern Michalchewski und Roccigiani verfolgen zu können, so konnte die juristische Auseinandersetzung zwischen den politischen und publizistischen Leichtgewichten Manfred Rouhs (»Europa Vorn«) und Dieter Stein (»Junge Freiheit«) nahezu zum Nulltarif aus der ersten Reihe verfolgt werden. Und wie das so ist bei Leichtgewichten: sie sind auch schneller als die (halb)schwergewichtigen sportlichen Vorbilder. Während diese sich noch um die Modalitäten des Rückkampfes streiten, haben die journalistischen Imitatoren diesen bereits ebenfalls hinter sich.

Die Ausgangslage: 

Beide Kämpfer hatten ursprünglich einmal im gleichen Stall begonnen, bei den "Die Republikaner". Rouhs wechselte zum kleineren, aber hochkarätig besetzten Stall »Deutsche Liga« unter den Promotern mit zweifelhaften Ruf Neubauer und Schützinger. Stein verließ ebenfalls den unter Erfolglosigkeit leidenden Heimat-Stall und schloss sich dem renommierteren Unternehmen »Nationalliberalismus« unter Regie der Manager Brunner/von Stahl/Zitelmann an, die zwar äußerst bemüht sind, ihrer Firma aus vermarktungstechnischen Gründen einen seriösen Anstrich zu verpassen, der allerdings in der Vergangenheit immer wieder erhebliche Kratzer erleiden musste.

Der Kampf:

So konnte es nicht erstaunen, dass die Auseinandersetzung schon im Vorfeld erheblichen Zündstoff und Emotionen barg. Stein konnte mit seiner »Junge Freiheit« auf die größere Reichweite verweisen, Rouhs dagegen reklamierte mit seiner »Europa Vorn« die größere Schlagkraft und technische Ausgereiftheit für sich. Eine Unsauberkeit von Rouhs war es aber, die die erste Wertung auf den Zetteln der Punktrichter für Stein erbrachte. Rouhs hatte ohne Genehmigung eine Karikatur aus der »Jungen Freiheit« abgedruckt. Vergeblich wehrte er sich mit dem Hinweis, er habe die Zeichnung aus einer anderen Zeitschrift übernommen und nicht gewusst, daß sie aus der »Jungen Freiheit« stamme. Unwissenheit aber schützt vor Strafe nicht. Dummheit erst recht nicht.

Denn den angestrebten Rückkampf verhinderte Rouhs selbst, da er ein unqualifiziertes Team engagierte. Sein für die Berufung engagierter Anwalt in Hannover verpasste schlicht und ergreifend den Termin zur Einreichung der Berufung. So wurde die schöne Börse verspielt, die Rouhs zuvor bei seinen Anhängern mit einem Spendenaufruf gesammelt hatte. Er rächte sich mit einem Tiefschlag, der Steins Popularität bei seinen Fans zum Absinken bringen sollte. Dazu versicherte er sich der Hilfe eines alten Stallgefährten von Stein, Hans-Ulrich Kopp, der den Star im Stall nicht länger akzeptieren wollte. Hans-Ulrich Kopp war Mitarbeiter der JF und leitete 1994 die "JF-Sommeruniversität". Kopp rächte sich, indem er (angebliche?) Interna enthüllte. So soll Stein, so Rouhs laut Kopp, geduldet haben, dass ein weiterer Rechtsausleger, ein schon alternder journalistischer Kämpfer namens Roland Wehl, persönliche Informationen über Zuschauer (sprich: Leser) an eine Kontrollinstanz namens Staatsschutz gegeben habe. Dafür, so Rouhs laut Kopp, gäbe es Zeugen, nämlich weitere abgesprungene Stallmitglieder von Stein.

Stein konterte mit dem bewährten Mittel Kampfgericht. Sein Anwalt Klaus Kunze erwirkte eine einstweilige Anordnung des Landgerichts Göttingen wegen Verstoßes gegen das Wettbewerbsrecht (vulgo: grobes Foul, Tiefschlag) und mit einer strafbewehrten Unterlassungserklärung. Offenbar vergessen sind die vergangenen Zeiten als Rouhs und Kunze in den Kreisen des "Ring Freiheitlicher Studenten" (RFS) unterwegs waren.

Ein geschickter taktischer Schachzug, der allerdings von Rouhs umgehend gekontert wurde. Seine Schlagkombination, das Zitieren aus originalen Sitzungsprotokollen, ist so ungewöhnlich, dass sie hier im Original (Europa vorn Nr 105/106, S.17) dokumentiert werden soll: 

»Markus Zehme erhebt zuletzt den Vorwurf, Roland Wehl habe personenbezogene Daten der 'JF' an den Staatsschutz weitergegeben. Dieter Stein widerspricht und erklärt, daß ausschließlich auf Anweisung von ihm Abonnentenadressen an die Sonderkommission Druck des LKA Thüringen im Zusammenhang mit Ermittlungen um den Anschlag auf die Weimarer Druckerei weitergegeben worden seien. Roland Wehl habe damit nichts zu tun.«

Tatsächlich war Wehl zwar Autor der JF und zählte zur Redaktion der "wir selbst" ("Zeitschrift für nationale Idendität"), aber warum sollte er Zugriff auf JF-Abonnentenadressen haben? Aber ein klares Dementi zur Weitergabe der Daten liest sich auch anders. Stein könnte jetzt zusätzlich zu seinen finanziellen Schwierigkeiten weiteren Ärger bekommen. Wie soll er seinen Kunden (mögliche) Verstöße gegen den Datenschutz erklären? Wie soll er rechtfertigen, dass und warum er etliche von ihnen offenbar für eine Zusammenarbeit mit den Brandstiftern für verdächtig hält? Warum hat er diese Vorgänge mit juristischen Mitteln geheimzuhalten versucht? Was steckte tatsächlich hinter dem Ausscheiden von Mitarbeitern bzw. Redakteuren wie Zehme und Kopp, das bisher in der Regel mit »beruflichen Gründen» gerechtfertigt wurden? 

Ist in diesem Zusammenhang auch der »Ausstieg» der ehemaligen Autorin Gerlinde Gronow aus der JF-redaktion zu sehen? Dieser Verdacht liegt nahe, da Kopp in »Europa Vorn« von einer Mitarbeiterin spricht, die die Vorgänge bezeugen könne und wenig später nach den fraglichen Auseinandersetzungen das Blatt verlassen habe. Eine weibliche Beschäftigte der »Jungen Freiheit« zu ihrer damaligen Potsdamer Zeit war Gerlinde Gronow. Sie war Gewinnerin des Nachwuchswettbewerbes der „Jungen Freiheit“ des Jahres 1993 und wurde dort schnell zu einer Autorin. Die taz berichtete allerdings mittlerweile über sie: "Nach einer Protestaktion von „JF“-Redakteuren vor dem Hamburger „Spiegel“—Verlagshaus brach sie mit der Zeitung." Will sie ihren bis her dünn argumentierten "Ausstieg" tatsächlich glaubhaft macht, dann wird sie auch über diese Konflikte Auskunft geben müssen. Zu klären wäre auch, warum die ultra-rechte Publikation "DESG-inform" (3-4/96, S.4) sie als eine Art Vertreterin ("Generalsekretärin") der deutschen Fraktion der "neu rechten" Gruppierung "Synergies Europeennes" benannte. 

Bei Markus Zehme ist zumindest kein "Ausstieg" anzunehmen, er zählt zu den "Sprechern" des ultra-rechten "Bündnis konstruktiver Kräfte Deutschland" (BKKD) und war Autor in "Das Ostpreußenblatt".

Und nun?

»Rocky« Rouhs hat wirkungsvoll zurückgeschlagen. »Tiger« Stein liegt auf den Punktzetteln aktuell zurück. Es bleibt abzuwarten, ob ihn nochmals das Punktgericht wird retten können. 

Das alte Medium Zeitung ist eben oftmals doch unterhaltsamer als das neuere Fernsehen, auch wenn mensch sich fragt was eigentlich die Hintergründe dieses Kampfes sind.