Antifa | AIB 40 / 3.1997 | 22.11.1997

Antifa Workcamp in Weimar

Seit 1990 findet das Antifa Workcamp in Buchenwald statt. Arbeiten am »Kleinen Lager«, im »Krankenrevier« und am »Pferdestall« sowie Vorträge und Diskussionen bildeten die Schwerpunkte des einmal jährlich stattfindenden Workcamps. Die Zahl der TeilnehmerInnen nahm im Laufe der Jahre kontinuierlich zu und im vergangenen Jahr beteiligten sich bereits über 200 AntifaschistInnen verschiedenster Couleur aus dem gesamten Bundesgebiet, der Tschechischen Republik, Frankreich und der Schweiz. Das Workcamp in diesem Jahr stand jedoch ganz im Zeichen der Auseinandersetzungen mit der Gedenkstättenleitung und der Stadt Weimar.

Das Workcamp in Buchenwald hat sich als wichtige Kommunikationsplattform für Menschen aus den unterschiedlichsten linken Zusammenhängen etabliert. Genau da liegt der Knackpunkt.

Besonders die steigende TeilnehmerInnenzahl benutzt die Gedenkstättenleitung dazu, den Initiatorinnen des Workcamps immer mehr Steine in den Weg zu legen. Da vom Workcamp auch schon mal das Vorgehen der Gedenkstättenleitung in Bezug auf die historische Behandlung des alliierten Internierungslagers kritisiert wird und darüber hinaus auch versucht wird, antiimperialistische Impulse in der Stadt Weimar zu setzten, ist das Workcamp bei der Gedenkstättenleitung und der Stadt in Mißgunst gefallen.

Von Seiten der Gedenkstättenleitung wird seit zwei bis drei Jahren auf einer Teilnehmerinnenzahl von 25 Personen bestanden, da alles andere »pädagogisch nicht sinnvoll begleitbar« wäre. An diesem Punkt unterstützte die Stadtverwaltung die Gedenkstättenleitung und behinderte die Anmietung der Unterkünfte für die zu erwartenden 200-300 TeilnehmerInnen.

Das Workcamp wurde z.T. sogar öffentlich diffamiert und die Stadt Weimar erwog nach Rundfunkmeldungen sogar das Verbot des Workcamps. Die Zielrichtung der Weimarer Behörden ist eindeutig. Das Workcamp soll entweder politisch auf Linie gebracht oder verhindert werden. Nur durch parlamentarischen Druck konnte das Workcamp stattfinden und die Probleme bei der Unterbringung der TeilnehmerInnen beseitigt werden.

Trotzdem beschränkte sich das Workcamp in diesem Jahr auf eine Projektwoche von 25 Personen in der Gedenkstätte; das eigentliche Workcamp konnte nur in der Stadt Weimar stattfinden. Die TeilnehmerInnen konnten somit das erste Mal nicht an der Gedenkstätte arbeiten, womit sich die Gedenkstättenleitung sicherlich einen Bärendienst erwiesen haben dürfte.

In der Stadt Weimar fanden aus diesem Grund verschiedene Protestaktion statt, es wurde Unterschriften gegen den Ausschluß des Antifa-Workcamps gesammelt. Darüberhinaus arbeitete eine Gruppe auf dem Friedhof Belverde, auf dem Soldaten der Roten Armee begraben sind. Sie legten Gräber frei und frischten die Farbe an den Grabsteinen auf. Weiter wurde im Archiv der Gedenkstätte zu Kindern in Buchenwald, zur Häftlingsgruppe der Sinti und Roma und zu Pfarrer Schneider gearbeitet. In diesem Punkt verhielten sich die MitarbeiterInnen der Gedenkstätte allerdings kooperativ.

Die Protestaktionen richteten sich jedoch nicht nur gegen das Vorgehen von Stadtverwaltung und Gedenkstättenleitung in Bezug auf das Antifa-Workcamp. Nachdem ein Camp-Teilnehmer beobachtete, wie auf dem sowjetischen Ehrenfriedhof Belverde einige Bauarbeiter damit beschäftigt waren, Grabsteine zu entfernen und zu zertrümmern, regte sich auch dagegen Widerstand. Nach Kontaktaufnahme mit einer Vertreterin des Weimarer Grünflächenamtes gab diese an, daß die Aktion bereits längerfristig geplant sei. Als Begründung wurde angegeben, »Platz für einen Rasenmäher« schaffen zu wollen. Die gleichen Arbeiten sind in Weimar bereits an einem sowjetischen Friedhof durchgeführt worden. Auf einem anderen sowjetischen Ehrenfriedhof in Weimar wurden die individuellen Grabsteine nach ihrer Entfernung als Wegbegrenzung benutzt und dann durch Gedenktafeln, die die jeweiligen Opfernamen trugen, ersetzt.

Auf dem Friedhof, wo jetzt Geschichte regelrecht pulverisiert wurde, ist von diesen Umstrukturierungsmaßnahmen nichts zu erkennen. Aufgrund dieser Vorkommnisse beschloß das Antifa Workcamp eine Aktion zur Verhinderung der weiteren Zerstörung der Grabsteine. Die noch nicht zerstörten Grabsteine wurden aus dem Schuttcontainer geholt, gesäubert und die Inschriften erneuert. In die darauf folgenden Diskussionen mit dem Grünflächenamt schaltete sich auch der Vizekonsul des Generalkonsulates der russischen Konföderation in Leipzig ein.

Der Weimarer Bürgermeister versprach daraufhin, die Zerstörungen am Friedhof zu stoppen. Das Antifa Workcamp in Weimar wurde von allen Beteiligten auch in diesem Jahr als Erfolg gewertet. Zum einen wären viele sinnvolle Arbeiten, z.B. auf dem sowjetischen Ehrenfriedhof, aber auch am Denkmal für die Opfer des Todesmarsches durchgeführt worden, andererseits seien die inhaltlichen Veranstaltungen von den insgesamt 230 Teilnehmerinnen gut angenommen worden. Einziger Wermuthstropfen bleibt wohl die Entscheidung der Gedenkstättenleitung, keine Arbeiten innerhalb des Lagers zuzulassen.

Ob die Gedenkstättenleitung von ihrem Konzept abrückt, bleibt fraglich. Das Workcamp, wie von ihr gefordert, auf 25 Personen zu reduzieren, kommt für die Antifas nicht in Frage. Sie fordern die Aufhebung des Arbeitsverbotes auf dem Gelände der Gedenkstätte Buchenwald.